Die einzig bekannte Behandlung von Zöliakie ist eine streng glutenfreie Diät. Dennoch wissen alle Menschen mit Zöliakie, dass man trotz aller Vorsicht manchmal aus  Versehen Gluten zu sich nimmt. Viele Lebensmittel und Getränke enthalten verstecktes Gluten, darüber hinaus besteht in lebensmittelverarbeitenden Betrieben oder sogar in der heimischen Küche die Gefahr einer Kreuzkontamination.  

Hier erfährst du, was passiert, wenn ein Mensch mit Zöliakie versehentlich Gluten isst, und bekommst Ratschläge und Tipps, wie die Reaktionen des Körpers minimiert werden und solche Versehen zukünftig vermieden werden können. 

 

Was passiert, wenn du Gluten zu dir nimmst? 

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die mit dem Verzehr von Gluten zusammenhängt – einem Eiweiß, das z.B. in den Getreidesorten Weizen, Gerste und Roggen enthalten ist. Wenn ein Mensch mit Zöliakie Gluten zu sich nimmt, erkennt das Immunsystem Gliadin – eine im Gluten enthaltene Substanz –  fälschlicherweise als Eindringling und produziert Antikörper, um es zu bekämpfen. 

Dabei werden auch gesunde Zellen unseres Verdauungstrakts geschädigt, insbesondere die Zotten, kleine fingerartige Ausstülpungen, die den Dünndarm auskleiden und die eine Schlüsselrolle bei der Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung spielen. Im Laufe der Zeit werden die Zotten ernsthaft geschädigt, und einige Nährstoffe können nicht mehr in der erforderlichen Menge aufgenommen werden Dies kann zu sehr ernsten Gesundheitsproblemen führen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du eine Diagnose erhältst, wenn du vermutest, dass du an Zöliakie leidest. 

Symptome nach dem Gluten-Verzehr 

Die Symptome, die durch die Autoimmunreaktion ausgelöst werden, sind vielfältig und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Wenn bei jemandem eine Zöliakie diagnostiziert wurde und die vollständige Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung erfolgt ist, verschwinden die meisten Symptome in der Regel innerhalb von Wochen oder Monaten. 

Wenn die Person, die sich glutenfrei ernährt, wieder Gluten zu sich nimmt, ist zu erwarten, dass die Symptome zurückkehren – selbst wenn es sich nur um eine geringe Menge Gluten gehandelt hat. Zu den häufigsten Symptomen gehören Durchfall oder  Verstopfung, Blähungen und Krämpfe im Bauch, Bauchschmerzen, Müdigkeit und  Gelenkschmerzen. Auch wenn es bei Menschen mit Zöliakie normalerweise nicht zu Nesselsucht kommt, entwickeln einige einen Hautausschlag namens Dermatitis herpetiformis, der bei versehentlichem Verzehr von Gluten wieder auftreten oder sich verschlimmern kann.  

 

Wie lange dauert die Reaktion auf Gluten? 

Es gibt keine Regel dafür, wie lange die Symptome nach dem Verzehr von Gluten anhalten. Am wahrscheinlichsten ist es jedoch, dass die schlimmsten Beschwerden nach ein paar Tagen abklingen. Es kann jedoch Wochen dauern, bis alle Symptome wieder vollständig abgeklungen sind. 

 

Was du tun kannst, wenn du Gluten gegessen hast 

Vor allem erstmal eins: dich deswegen nicht schuldig oder schlecht fühlen. Es passiert vielen Menschen mit Zöliakie, versehentlich mit Gluten in Berührung gekommen zu sein. Das ist etwas, das einfach passieren kann. Selbst dann, wenn man aus jeder Erfahrung lernt und versucht, es in Zukunft weniger wahrscheinlich zu machen. Dies ist deshalb so wichtig, weil zu den körperlichen Symptomen nicht auch noch seelische Qualen hinzukommen sollten. Oft ist es schon hilfreich, jemanden zu haben, mit dem man darüber reden kann.  

Was die körperlichen Symptome anbelangt, so werden wir gleich sehen, dass es einige Dinge gibt, die du tun kannst, um sie zu lindern. Darüber hinaus kann es auch sinnvoll sein, deinen Arzt oder deine Ärztin zu konsultieren – dort kannst du spezifische Empfehlungen für den Umgang mit deinen Symptomen bekommen. 

Was du gegen körperliche Symptome tun kannst 

Sobald dir klar ist, dass du versehentlich Gluten zu dir genommen hast, solltest du sofort einige Maßnahmen ergreifen, um die körperlichen Symptome zu lindern und dich so schnell wie möglich zu erholen: 

  • Trink viel Wasser. Die zusätzliche Flüssigkeitszufuhr trägt zur Spülung des Körpers bei. Außerdem hilft dir die gesteigerte Wasseraufnahme vor allem bei Durchfall. Am besten ist es, wenn du zusätzlich zu normalem Wasser elektrolythaltige Getränke (z.B. 1 Liter Wasser, 4 Teelöffel Zucker, 3/4 Teelöffel Salz und ggf. 1 Tasse Orangensaft) zu dir nimmst.
  • Ruhe dich aus. Dein Körper braucht Zeit und Ruhe, um zu heilen – also sorge dafür, dass er genau das bekommt. Wenn du trotz körperlichen Symptomen weiter arbeitest oder den täglichen Verpflichtungen nachkommst, verschlimmerst du deine Situation nur. Solltest du gar nicht pausieren können, tu zumindest dein Bestes, um dich zu schonen.
  • Langsamer Kostaufbau bei Durchfall. Zu Beginn sind mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt empfehlenswert. Besonders gut eignen sich stopfende Lebensmittel wie Reis- und Haferschleim sowie pektinhaltige Lebensmittel wie Möhrensuppe, geriebener Apfel oder zerdrückte Banane. Außerdem helfen gerbstoffhaltige Lebensmittel wie getrocknete Heidelbeeren oder Heidelbeerkompott.  

Wie du dich von der Reaktion auf Gluten erholst 

Wenn du die oben beschriebenen Maßnahmen ein paar Tage lang befolgt hast, solltest du dich bereits besser fühlen. Du kannst auch versuchen, nach ein paar Tagen leichte sportliche Aktivitäten zu unternehmen. Im Prinzip hilft dir alles, von dem du weißt, dass es dich entspannt und dir gut tut – von Yoga und Meditation über Spaziergängen in der Natur bis hin zu Lesen oder einem heißen Bad.  

Darüber hinaus ist es ratsam, eine Zeit lang eine leichte Vollkost zu dir zu nehmen, um es deinem Darm einfacher zu machen und die Verdauung zu unterstützen.

Wie du es vermeidest, Gluten zu dir zu nehmen 

Was du tun kannst, um die versehentliche Einnahme von Gluten in Zukunft weniger wahrscheinlich zu machen? Hier sind einige einfache Maßnahmen, mit denen du sofort beginnen kannst – falls du es nicht sowieso schon tust: 

  • Prüfe Etiketten. Immer. Wenn du verarbeitete Lebensmittel kaufst, solltest du  zuallererst auf die Kennzeichnung "glutenfrei" achten. Hilfreich ist es auch, wenn du eine Checkliste von Zutaten erstellst, die Gluten enthalten könnten, wie z.B. Weizenstärke oder Malz. Hier findest du weitere Tipps rund um das Thema „glutenfrei Einkaufen“.
  • Sorge für eine glutenfreie Küche. Um mögliche Kreuzkontaminationen zu vermeiden empfiehlt es sich z.B. Kochgeschirr und -utensilien getrennt aufzubewahren, Küchengeräte regelmäßig zu reinigen und Oberflächen stets sauber zu halten. Hier erfährst du mehr zum Thema.
  • Beschrifte alles. Wenn Familienmitglieder oder Mitbewohner sich nicht glutenfrei ernähren, ist es ratsam, alles zu beschriften, damit sie wissen, was sie anfassen dürfen und was nicht. Gegenstände wie Toaster, Schneidebretter, Töpfe, Pfannen und andere Küchenutensilien müssen immer getrennt aufbewahrt werden.
  • Sei proaktiv. Wenn du auswärts essen gehst, schlage proaktiv ein Restaurant vor, das glutenfreie Optionen anbietet und Vorkehrungen gegen Kreuzkontaminationen trifft.
  • Sprich mit den Menschen. Such nicht nur ein Restaurant mit glutenfreien Optionen, sondern informiere dich auch bei den Kellnern oder dem Besitzer darüber, wie Sie in der Küche Kreuzkontaminationen vermeiden. 

Fazit: Es lässt sich leider nie zu 100% ausschließen, dass du versehentlich mal etwas Glutenhaltiges zu dir nimmst. Sollte es doch mal passieren, können dir unsere Tipps dabei helfen, dich schnell wieder zu erholen. Und je besser du im Laufe der Zeit informiert bist und Erfahrungen sammelst, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich Gluten aus Versehen auf deinen Teller verirrt.