Ich erinnere mich noch genau an den Tag meiner Diagnose. „Zoe, du hast Zöliakie, du darfst kein Gluten mehr essen!“. Es war ein merkwürdiger Mix aus Erleichterung, Verzweiflung und völliger Ahnungslosigkeit. 

Endlich hatte das Ganze einen Namen – die jahrelangen Beschwerden, meine Bauchschmerzen, das Völlegefühl und die Krämpfe nach dem Essen, meine ständige Müdigkeit, meine Hautprobleme, das diffuse Unwohlsein, das ständige Grübeln. Ich habe mir das nicht alles eingebildet. Viel zu oft wurden meine Beschwerden nicht erst genommen – „Stress“, „vielleicht ein Reizdarm“, „probier’s mal mit weniger Zucker“. Und nun, endlich, hatte ich eine Antwort. Einen Namen. Eine Richtung. Und das allein war schon so viel wert – auch wenn ich es am Anfang noch gar nicht greifen konnte. 

Die ersten Tage nach der Diagnose

Nach meinem Arztbesuch bin ich schnurstracks in den Supermarkt gegenüber gegangen. Verzweifelt und völlig planlos habe ich nach glutenfreiem Brot und anderen glutenfreien Lebensmitteln Ausschau gehalten. Wie verloren stand ich vor den Regalen und drehte jedes Produkt um. „Was ist überhaupt Gluten?“, „Wie erkenne ich denn, dass ein Produkt glutenfrei ist?“, „Kann ich das überhaupt noch essen?“ – Fragen, die mich in der Anfangszeit ständig begleitet haben. Ich verließ den Laden mit einem trockenen Reisbrot und einem dicken Kloß im Hals.

Google fragen, Inhaltsstoffe lesen, die durchgestrichene Ähre suchen. Ich war überfordert, frustriert und irgendwie müde. Müde von all dem Neuen, den ständigen Fragen und der Unsicherheit. Die nächste Zeit war so etwas wie ein Schwebezustand. Ich wusste weder vor, noch zurück. Manchmal war ich einfach nur planlos, manchmal völlig verzweifelt. Glutenfrei – für immer? Was ist mit dem spontanen Essen gehen, mit dem Sonntagsbrunch bei Freunden, mit dem Bäcker um die Ecke? Worauf muss ich jetzt in der Küche achten? Und was ist, wenn ich Fehler mache?

Was mich am meisten überraschte: wie emotional dieser Weg war. Es ging nicht nur ums Essen. Es ging um Gewohnheiten, um Erinnerungen, um Geschmack. Essen ist so viel mehr als Nährstoffaufnahme – es ist Genuss, Beisammensein und oft auch eine Selbstverständlichkeit. Aber das merkt man erst dann, wenn man nicht mehr unbesorgt hier und da zugreifen kann. Plötzlich muss man all das neu definieren und lernen. Besonders am Anfang fühlte ich mich ausgeschlossen – vom Essen, von Normalität, von Unbeschwertheit.

Meine ersten Lichtblicke

Auch wenn ich die Diagnose von Anfang an akzeptiert habe, ist es mir dennoch schwergefallen mich mit meinem neuen Leben zu arrangieren. Ich musste so viel lernen und verstehen. Nach und nach habe ich dann angefangen, meine Fühler auszustrecken. Während das Angebot an Informationen damals noch recht klein war, ist die glutenfreie Bubble mit der Zeit enorm gewachsen. Instagram, Blogs, Foren und informative Seiten wie die von Schär machen den Einstieg in das glutenfreie Leben leichter. Die Erfahrungen von anderen Betroffenen, leckere glutenfreie Rezepte oder einfach nur die Möglichkeit, ganz offen über die Herausforderungen sprechen. Die Herausforderungen, die dieses neue Leben mit sich bringt. 

Was sich verändert hat – und was geblieben ist

Nach meiner Diagnose habe ich angefangen, mich ganz anders mit meiner Ernährung zu beschäftigen. Ich habe mich nicht nur mit Inhaltsstoffen auseinandergesetzt, sondern auch ganz neue Lebensmittel kennengelernt, die vorher nie in meiner Küche zu finden waren – Quinoa, Hirse, Teff, Buchweizen. Auf meinem Weg habe ich gelernt, wie meine Küche glutenfrei wird, was beim Kochen zu beachten ist und wie ich auch unterwegs sicher esse. Wie backe ich glutenfrei, ohne dass das Gebäck steinhart wird? Wie erkenne ich glutenfreie Lebensmittel beim Einkaufen und worauf muss ich achten? Wie erkläre ich Freunden und der Familie, dass sich meine Bedürfnisse stark verändert haben und dass ich von nun an auf dieses und jenes angewiesen bin? Ganz ohne mich dafür zu schämen oder rechtfertigen zu müssen. Das alles war nicht von jetzt auf gleich möglich. Es war ein Prozess, bei dem ich immer wieder etwas dazugelernt habe! So habe ich angefangen, mich in meiner neuen Realität zurechtzufinden. Schritt für Schritt. Tag für Tag. 

Auch wenn ich erst einmal große Angst hatte und mich das Gefühl begleitet hat, dass ich nichts mehr essen kann, habe ich mit der Zeit gelernt, wie viele Lebensmittel von Natur aus glutenfrei sind und wie vielfältig das glutenfreie Leben sein kann. Auch wenn es sich am Anfang so angefühlt hat, habe ich mir meine Liebe zu gutem Essen nicht von der Zöliakie nehmen lassen. Vielleicht ist sie dadurch sogar noch größer geworden. Weil ich mich viel intensiver damit beschäftigt habe und weil ich es viel mehr wertschätze und eben nicht mehr als selbstverständlich ansehe. 

Und heute kann ich für mich sagen: Die Diagnose war kein Ende, sondern ein Anfang. Nicht immer leicht, aber voller Möglichkeiten. Heute blicke ich regelmäßig zurück und sehe nicht nur den Schmerz und die Unsicherheit, sondern auch das Wachstum. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören, meine eigenen Grenzen zu respektieren und Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen. Ich habe mir neues Wissen angeeignet, neue Lieblingsgerichte entdeckt und – am wichtigsten – ich habe Menschen kennengelernt, die mich verstehen. Menschen, die die gleiche Diagnose haben und dementsprechend die gleichen Sorgen teilen. 

Und ja, natürlich vermisse ich auch heute noch bestimmte Dinge. Ein Croissant beim Bäcker um die Ecke. Eine knusprige Pizza vom Lieferservice oder einfach nur die fertigen Ravioli aus der Dose. Ein sorgloser Restaurantbesuch ohne vorherige Recherche – all die Dinge, die vor meiner Diagnose Alltag waren. Aber ich habe auch gelernt, kreativ zu sein, Alternativen zu finden und mir selbst Genuss zu ermöglichen – auf meine Weise.

Was ich dir sagen will

Wenn du gerade frisch diagnostiziert wurdest, dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein. Es ist okay, traurig, wütend oder überfordert zu sein. Das alles gehört dazu. Es ist ein Prozess – aber du wirst deinen Weg finden. Es wird Tage geben, an denen alles klappt und andere, an denen du am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchtest. Und das ist völlig okay.

Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Und wenn du so weit bist, dann strecke auch du deine Fühler aus und vernetze dich mit anderen Betroffenen! Tausche dich aus, teste glutenfreie Rezepte und vor allen Dingen: Gib nicht auf! Wenn ich heute an meine ersten Back- und Kochversuche nach der Diagnose denke, muss ich immer noch schmunzeln – teilweise war das ungenießbar! Aber wie sagt man so schön? Übung macht den Meister? Tolle und erprobte Rezepte findest du beispielsweise auch bei Schär – ich bin mir sicher, dass dir das den Start in dein glutenfreies Leben etwas erleichtert! 

Hast du noch Fragen rund um die Zöliakie-Diagnose? Möchtest einfach mal Luft ablassen oder dich austauschen? Magst du von deinem Weg nach der Diagnose erzählen? Was hat dir geholfen – oder gefehlt? Ich freue mich über deine Direktnachricht auf Instagram (@zoe_glutenfrei).

Xoxo, deine Zoe