Falls euer Besuch an Zöliakie erkrankt ist oder an einer Glutensensitivität leidet, ist eine strikte glutenfreie Ernährung unabdingbar - Ausnahmen bei der Diät sind aus gesundheitlichen Gründen einfach nicht möglich. Ganz im Gegenteil – insbesondere bei einer Zöliakie können diese sogar schwerwiegende Folgen mit sich bringen. Wenn man das als Gastgeber im Hinterkopf behält, fällt es oft leichter, sich in seinen Besucher hineinzuversetzen.
1. Sprecht mit eurem Besuch
Das Wichtigste überhaupt ist das offene Gespräch mit eurem Besuch! Bindet ihn in die Planung ein und geht beispielsweise gemeinsam Schritt für Schritt durch, was es während der gemeinsamen Zeit zu Essen geben soll – selbst dann, wenn es nur Kaffee & Kuchen sein sollen. Der Überraschungsfaktor fällt so vielleicht weg, aber ihr könnt euch sicher sein, dass euer Besuch so ein gutes Gefühl bekommt und sich verstanden fühlt. Erkundigt euch, welche (glutenfreien) Produkte besonders beliebt sind und welche beispielsweise auch nicht.
Ebenso ist es unheimlich wichtig ehrlich zu sein. Sollte euch beispielsweise bei der Zubereitung ein Fehler unterlaufen sein oder ein unsicheres Gefühl plagen, dann habt bitte keine Scheu davor, das zu sagen. Euer Besuch wird euch dankbar sein!
2. Die richtige Wahl von Lebensmitteln
Bei der Wahl der Lebensmittel ist Vorsicht geboten. Zweifelsfrei können Produkte gekauft werden, auf denen ausdrücklich „glutenfrei“ steht oder das Zeichen der durchgestrichenen Ähre abgedruckt ist. Während man bei Fleisch, Obst und Gemüse in seiner Rohform meist auf der sicheren Seite ist, können verarbeitete Produkte immer Gluten enthalten. Lebensmittel wie Soßen, Brühen, Gewürze, Aufschnitt, Fertiggerichte, Snacks, Suppen, Tees und alle anderen Lebensmittel müssen daher genau anhand der Zutatenliste geprüft werden. Produkte, auf denen Gluten, Weizen, Gerste, Gerstenmalz(-extrakt), Bulgur, Dinkel, Roggen, Grünkern, Hafer, Einkorn, Triticale, Kamut, Emmer oder Seitan steht, sind somit zu meiden.
Mehr zum Thema Gluten findet ihr in diesem Beitrag. Wie man Zutatenlisten richtig liest und worauf man beim Einkauf achten sollte, könnt ihr hier nachlesen. Darüber hinaus solltet ihr Verpackungen immer aufbewahren, um so noch einmal im Nachhinein die Zutatenliste checken oder sie bei Unsicherheit eurem Besuch zeigen zu können, damit er auf Nummer Sicher gehen kann.
3. Hier findet ihr glutenfreie Produkte
Die Auswahl an glutenfreien Lebensmitteln ist heute bereits sehr groß. Neben verschiedenen Onlineshops bieten auch (fast) alle Super- und Drogeriemärkte glutenfreie Lebensmittel an. Auch bei Discountern wie Aldi, Penny und Lidl gibt es bereits speziell glutenfreie Produkte im Sortiment. Das Angebot kann natürlich von Markt zu Markt variieren!
4. Vorsicht vor Kreuzkontamination & Praktische Verhaltensregeln
Besonders im Umgang mit glutenfreien Lebensmitteln ist Vorsicht geboten. Hier kann es schnell zu einer unbeabsichtigten Kreuzkontamination mit glutenhaltigen Produkten kommen. Kurz nicht aufgepasst, können so schnell zum Beispiel Krümel in das glutenfreie Gericht gelangen. Jeder Schritt in der Küche und am Tisch sollte also penibel überdacht werden.
Hier sind einige praktische Tipps:
- Bei Brot
- Niemals denselben Brotkorb für glutenhaltiges und glutenfreies Brot nutzen!
- Das glutenfreie Brot darf nicht im „normalen“ Toaster zubereitet werden. Hier bieten sich sog. „Toastbags“ an – anderenfalls kann das Brot auch einfach in einer sauberen Pfanne angeröstet werden. Aufbackbrötchen sollten auf frisches Backpapier im Ofen gelegt werden und nicht mit glutenhaltigen Brötchen in Berührung kommen.
- Das glutenfreie Brot darf nicht auf dem gleichen Brettchen geschnitten oder geschmiert werden, wie glutenhaltige Brote. Und natürlich auch nicht mit demselben Messer!
- Achtung vor wegspringenden Krümeln bei Brot, Brötchen, Pizza und anderen krossen Lebensmitteln.
- Vorsicht ist auch bei der Nutzung von Marmeladen, Aufstrichen, Margarine oder Butter geboten, in denen man sich normalerweise mit dem Brotmesser bedient! Dabei können immer glutenhaltige Krümel zurückbleiben. Hier sollten frische Verpackungen genommen werden - gerne könnt ihr eurem Besuch etwas davon zur Seite stellen.
Es sollte niemals derselbe Brotkorb für glutenhaltiges und glutenfreies Brot genutzt werden!
- Beim Kochen
- Holzbrettchen und -Löffel sind grundsätzlich tabu. Hier können sich Spuren von Gluten absetzen. Besser eignen sich Utensilien und Unterlagen mit einer glatten, abwaschbaren Oberfläche.
- Zum Abgießen von Pasta sollte kein Sieb genutzt werden, in dem bereits glutenhaltige Nudeln abgegossen wurden – trotz einer gründlichen Reinigung können sich hier Spuren von Gluten ablagern. Und natürlich sollten glutenfreie und glutenhaltige Pasta separat voneinander gekocht werden! Bitte nicht beide Nudelsorten mit demselben Löffel umrühren!
- Nutzt immer komplett separates Besteck für glutenhaltige und glutenfreie Gerichte!
- Sicherer ist es, wenn man erst die glutenfreien und dann die glutenhaltigen Speisen zubereitet – dann kommt man nicht durcheinander.
- Es sollte keine Fritteuse genutzt werden, in der bereits glutenhaltige Lebensmittel zubereitet wurden und danach das Fett nicht gewechselt wurde – selbst kleinste Spuren können schädlich sein.
- Beim Backen
- Bitte kein herkömmliches Handrührgerät nutzen, mit dem bereits glutenhaltige Teige zubereitet wurden. Im Inneren der Maschine setzt sich im Laufe der Zeit so viel Mehlstaub ab, so dass die glutenfreien Backwaren alleine dadurch kontaminiert werden.
- Auch „normale“ Backformen und Waffeleisen sind tabu. Hier sollte man lieber auf Alternativen zurückgreifen. Wie wäre es mit Cookies oder anstatt von Waffeln mit Pfannkuchen oder Crêpes? Diese kann man wunderbar in einer sauberen Pfanne zubereiten und benötigt kein zusätzliches Equipment!
Anstatt auf Holzbesteck- und Brettchen sollte auf gut abwaschbare Küchenutensilien gesetzt werden!
- Am Tisch
- Zu Tisch oder an Buffets besteht immer die Gefahr, dass aus Versehen mit dem falschen Besteck in eine Schale gegriffen wird und die Speisen somit kontaminiert werden. Um das zu vermeiden, lasst eurem Gast doch Vortritt oder bietet ihm an, dass er sich schon in der Küche einen Teller zusammenstellt.
- Reicht das Brot nicht über den Tisch, sondern außen herum - so kann nichts krümeln.
- Bierflaschen mit Bügelverschluss sollten nicht so geöffnet werden, dass möglicherweise Biertropfen über den Tisch spritzen.
- Achtet beim Anstoßen darauf, dass kein glutenhaltiges Getränk in das Glas eures Besuchers schwappt.
- Benutzt für jede Schüssel eigenes Vorlegebesteck – so landet nicht zufällig der „falsche“ Löffel im glutenfreien Essen.
5. Nicht unter Druck setzen
Auch wenn die genannten Tipps ganz schön umfangreich erscheinen, dürft ihr nie aus den Augen verlieren, dass die Zeit mit eurem Besuch Freude machen sollte! Setzt euch nicht unter Druck, etwas möglichst Ausgefallenes auf den Tisch zaubern zu müssen! Das erwartet wirklich niemand. Der gekaufte Fertigkuchen wird schlussendlich genauso gut ankommen – vielleicht sogar noch besser, wenn man sich sicher sein kann, dass bei der Herstellung keine Spuren von Gluten darangekommen sind.
Auch wenn ihr euch sehr viel Mühe mit dem Essen gegeben habt, liegt es quasi in der Natur eines Zöliakie-Betroffenen ganz viele Dinge zu hinterfragen. Das ist nicht böse gemeint, sondern wirklich reiner Selbstschutz. Sollte euer Besuch sich unsicher sein und etwas nicht essen mögen, solltet ihr ihn natürlich genauso wenig unter Druck setzen oder erwarten, dass er trotz Unsicherheit die vorbereiteten Sachen isst! Zeigt Verständnis und bietet vielleicht beim nächsten Mal an, gemeinsam zu kochen oder backen?
Mit den Tipps im Hinterkopf werdet ihr eine tolle gemeinsame Zeit haben!