Bis zu 1% der Bevölkerung ist von Zöliakie betroffen. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch.
Zöliakie zählt zu den Autoimmunerkrankungen und wird durch Gluten, einem Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten wie beispielsweise Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen, Kamut und Triticale vorkommt, ausgelöst. Bei Kindern und Erwachsenen mit entsprechender genetischer Veranlagung führt die Aufnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln, selbst wenn es nur Spuren von Gluten sind, zu einer Immunreaktion im Darm. Diese verursacht eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut und schließlich eine Rückbildung der Dünndarmzotten. Diese charakteristischen histopathologischen Veränderungen können ein Malabsorptionssyndrom zur Folge haben. Unter einer strikt glutenfreien Ernährung sind diese Auswirkungen jedoch vollständig reversibel und die Dünndarmschleimhaut regeneriert sich. Eine lebenslange glutenfreie Ernährung, bei der alle Spuren von Gluten vermieden werden, stellt somit aktuell die einzig mögliche Therapie dar.
Athrophie des Dünndarms
Die Dünndarmschleimhaut ist mit Zotten und feinen Ausstülpungen, den Mikrovilli, ausgekleidet. Diese dienen der Oberflächenvergrößerung und verbessern die Nährstoffaufnahme. Bei den Betroffenen haben sich die Dünndarmzotten und die Mikrovilli fast vollständig zurückgebildet. Durch die Schädigung und Abflachung der Dünndarmschleimhaut können weniger bis keine Nährstoffe aufgenommen werden. Die Folgen sind beispielsweise Unterernährung und Mangelerscheinungen.
Chamäleon der Medizin
Die Zöliakie tritt viel häufiger auf als angenommen. In Deutschland wird geschätzt, dass es etwa 800.000 Zöliakiebetroffene gibt, dies entspricht einer Prävalenz von 1:100. Tatsächlich diagnostiziert sind nur rund 80.000. Zudem bleiben viele Fälle mehrere Jahre unentdeckt, da die Symptomatik oftmals unspezifisch ist. Daher spricht man bei der Zöliakie auch vom Chamäleon der Medizin.