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1. Seit wann lebst Du glutenfrei?

Ich lebe seit mittlerweile acht Jahren glutenfrei. Die Diagnose kam während meiner Schulzeit.

2. Du hast die Diagnose Zöliakie: Was waren deine ersten Symptome?

Ich hatte als Kind super oft Bauchschmerzen und Magenprobleme. Wir sind daraufhin zu sehr vielen Ärzten gerannt und haben verschiedene Dinge ausprobiert. Am Anfang lag der Verdacht auf diversen Allergien. Irgendwann kamen die Ärzte aber auf die Diagnose Zöliakie. Die Diagnose hat uns erst einmal erschrocken, gleichzeitig waren wir aber froh, dass wir nun einen „Namen“ hatten. Ab da hatten wir Hoffnung und konnten uns in das Thema einarbeiten.

3. Welche Möglichkeit hat sich für dich durch die Zöliakie ergeben?

Durch die Zöliakie war ich gezwungen mich mit der Ernährung auseinanderzusetzten. Von Heut‘ auf Morgen ging es eben nicht mehr, sich schnell mal was zu essen zu kaufen oder spontan essen zu gehen. Davor haben meine Eltern hauptsächlich gekocht und es gab das, was auf dem Tisch stand. Durch die Beschäftigung mit der Ernährung habe ich gleichzeitig meine Liebe zum Kochen entdeckt. Ich liebe es in der Küche zu stehen, neue Gerichte auszuprobieren und mich mit dem Thema der gesunden Ernährung generell auseinander zu setzten.

Auch habe ich nur durch die Zöliakie mit social-Media angefangen. Es ist auch eines meiner mittlerweile liebsten Hobbies. Ich finde es großartig Menschen zu helfen, die vor genau so einem großen Fragezeichen wie ich am Anfang der Diagnose stehen. Die Ärzte haben uns damals zwar eine Broschüre mitgegeben, aber das wars. Ich habe seit meiner Diagnose so viel dazu gelernt und so viele Erfahrungen gesammelt, die ich einfach gerne an Andere weitergebe. Ich glaube füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen ist mit das Wichtigste.

4. Über welche Geste oder Reaktion aus deinem Umfeld hast Du dich am meisten gefreut?

Das war zu meinem Abitur. Meine Eltern haben für mich eine glutenfreie und milchfreie Marzipantorte organisiert. Eine Marzipantorte ist mein aller liebster Lieblingskuchen, den es als Kind zu jedem besonderen Anlass gab. Ich hatte so lange keine Marzipantorte mehr und es war einfach unbeschreiblich schön.

5. Was möchtest Du in deinem glutenfreien Alltag noch besser machen?

Da gibt es viele Dinge. Ich glaube einer der wichtigsten Dinge ist es für mich, dass ich bei einem Gluten Unfall bewusster reagiere und mich etwas besser, oder anders verhalte. Wenn ich merke, dass ich aus Versehen Gluten zu mir genommen habe, steigere ich mich meistens sehr in die Situation rein. Ich bin mental schon dabei, starke Symptome zu haben und bin super sauer auf mich selbst. Hier gelassener zu bleiben, ist mein Ziel. Ich gebe mir immer zu 100% Mühe, Zöliakie-gerecht zu leben. Wenn es, aus welchen Gründen auch immer, dann doch zur Kontamination gekommen ist, ist das so. Es ist passiert, ich muss es akzeptieren. „Abwarten und Tee trinken“.

Auch muss ich manchmal ein bisschen „gnädiger“ zu meinen Mitmenschen sein. Für mich ist der Umgang mit der Zöliakie mittlerweile Routine. Ich weiß, worauf ich achten muss, wie ich mich vorbereite und wie ich einkaufen gehe. Für Leute, die mich oder die Zöliakie nicht kennen, ist das erstmal eine große Herausforderung. Ich weiß noch als mein Freund uns Sommerrollen vorbereitet hat und den falschen Tofu gekauft hat. Geräucherter Tofu enthält super oft Gluten. Er achtet normalerweise zu 100% darauf, unser Essen glutenfrei zuzubereiten und ist sich auch dem Thema der Kontamination sehr bewusst. Weil ich den geräucherten Tofu immer woanders, glutenfrei kaufe, dachte er wohl, dass seiner auch glutenfrei sei. Als ich die Sommerrollen dann gegessen habe, wusste ich direkt, dass es zu einem Gluten Unfall kam. Im ersten Moment war ich sauer auf uns Beide. Sauer auf mich, ihm vertraut zu haben und das Essen nicht im Vorhinein kontrolliert zu haben. Sauer auf ihn, dass er das falsche Produkt gekauft hatte. Die Wut und Trauer haben sich zwar auch schnell wieder gelöst, aber im ersten Moment war sie da. Hier sehe ich bei mir noch großes Potential.

6. Was fällt Dir im glutenfreien Alltag besonders leicht?

Positiv zu bleiben. Viele Bemitleiden mich für die Zöliakie. Das kann ich immer gar nicht wirklich nachvollziehen. Natürlich ist man eingeschränkt und muss gewisse Aktivitäten mehr planen, aber es geht mir sehr gut mit meiner Zöliakie. Mittlerweile haben wir ein großes Privileg. Es gibt so viele glutenfreie Alternativen, - so viele Gerichte, die ich mir glutenfrei Kochen kann und es werden immer mehr. Ich bin dankbar für meine Zöliakie, weil ich durch sie so viel gelernt habe. Ich bin aus meiner Komfortzone rausgekommen, habe meine Leidenschaft entdeckt und viel über mich und meine Körper gelernt. Annehmen ist oft hilfreich. Das Leben geht weiter, auch mit der Diagnose.

7. Was ist dein Lieblingsgericht?

Ich liebe, liebe, liebe Sommerrollen. Könnte ich zu jeder Tages- und Nachtzeit essen. Genauso wie Curry. 

8. Welches Produkt hast Du immer auf Vorrat zu Hause?

Ich schaue, dass ich immer meine glutenfreien „Basics“ zu Hause habe. Dazu gehört für mich auf jeden Fall glutenfreies Mehl, Gemüsebrühe, Nudeln und Brot.

9. Und: Ohne welches Produkt gehst Du nicht aus dem Haus?

Grundsätzlich gehe ich nie ohne einen Snack aus dem Haus. Mir gibt es Sicherheit, immer was zu essen dabei zu haben. Meine liebsten Snacks sind Äpfel, Maiswaffeln und Hummus, Riegel oder ein belegtes Brötchen. Wenn ich zum Kochen zu Freunden gehe, nehme ich mir auch immer meine Basics mit – sprich Nudeln, Gemüsebrühe und zum Beispiel glutenfreie Sojasoße

10. Du hast die Wahl: selbst kochen, bestellen oder essen gehen?

Sehr schwierig. An sich liebe ich es Essen zu gehen. Ich mag das Ambiente und das achtsame Essen. Aber ich glaube mein Favorit ist und bleibt es, selbst zu kochen. Dann weiß ich, dass alles ohne Kontaminierung gekocht wird, weiß ganz genau, was in meinem Essen landet, und habe auch noch große Freude daran. Mit dem Essengehen ist immer auch ein kleines Restrisiko verbunden, man muss die Verantwortung an eine dritte Person abgeben. Das fällt mir manchmal noch schwer und ich kann es weniger genießen.

Ich hoffe sehr, dass ich dich mit meinem Artikel motiviert habe, dich mit deiner Zöliakie anzufreunden und sie anzunehmen. Wenn du weite Tipps für den glutunfreien Alltag brauchst schreibe mir super gerne und schau auf meinen Kanälen vorbei!

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