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Eines der häufigsten Symptome einer nicht diagnostizierten Zöliakie ist der Mangel an bestimmten Nährstoffen und Vitaminen wie z.B. den Vitaminen D oder B12. Obwohl eine glutenfreie Ernährung – die einzige bekannte Methode zur Behandlung von Zöliakie – reich an Nährstoffen sein kann und alle Vitamine und Mineralstoffe liefert, die der Körper benötigt, leiden einige der an Zöliakie erkrankten Personen weiterhin an bestimmten Mikronährstoffmängeln. 

Dies kann entweder auf eine unzureichende Regeneration der Dünndarmschleimhaut zurückzuführen sein oder auf eine unzureichend abwechslungsreiche Ernährung. 

Nährstoff- und Vitaminmangel als Zeichen für Zöliakie?

Ein Mangel an Mikronährstoffen – insbesondere Kalzium, Eisen, Kupfer, Magnesium, Zink, Folsäure sowie Vitamine A, B12, B6 und D1 – ist bei nicht diagnostizierten Personen häufig. Bleibt dieser Mikronährstoffmangel unbehandelt, kann er zu metrologischen Komplikationen, psychiatrischen Symptomen und Knochenveränderungen beitragen. Betroffene mit unbehandelter Zöliakie weisen im Vergleich zu alters- und geschlechtsgleichen Personen ohne Zöliakie häufiger einen Mangel an Mikronährstoffen auf.2 

Diese Mangelerscheinungen sind jedoch möglicherweise ein alternativer Weg, Zöliakie zu erkennen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Patienten keine auffälligen äußeren Symptome zeigen. In einer in der Fachzeitschrift Mayo Clinic Proceedings veröffentlichten Studie wurde bei 3,6% der an Zöliakie erkrankten Personen ein Folsäuremangel festgestellt – verglichen mit 0,3% bei der Allgemeinbevölkerung. Mediziner*innen und Ernährungsberater*innen sollten neu diagnostizierte, an Zöliakie erkrankte Personen auf diese Mangelerscheinungen testen und bei Bedarf Nahrungsergänzungsmittel verabreichen. 

Eisen-, Magnesium- und Kalziummangel bei Zöliakie 

Viele Menschen mit Zöliakie haben zum Zeitpunkt der Diagnose eine niedrige Knochenmineraldichte. Daher ist es wichtig, auf eine ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr zu achten.  

Laut eines in der Zeitschrift Medicina veröffentlichten Reviews, die sich auf die Ergebnisse von 73 Einzelstudien stützt, weisen bis zu 40% der erwachsenen Zöliakiepatienten und -patientinnen einen Eisenmangel, 20% einen Folsäuremangel, 25% einen Vitamin-D-Mangel und 40% einen Zinkmangel auf. Bei bis zu 3,6% der Kinder konnte ein Kalziummangel und bei 20% einen Magnesiummangel nachgewiesen werden. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, dass Erwachsene mit Zöliakie mindestens 1.000 Milligramm (mg) Kalzium pro Tag zu sich nehmen sollten. 

Zöliakie und die Vitamine D und B12

Studien haben gezeigt, dass bei bis zu 30% der an Zöliakie erkrankten Personen ein Mangel an Vitamin B12 und bei bis zu 25% ein Mangel an Vitamin D besteht. Diese Mängel können auch nach der Diagnose fortbestehen, so dass die Werte dieser Vitamine, die hauptsächlich in Fleisch, Fisch und Milchprodukten enthalten sind, regelmäßig überprüft werden sollten.

Kann Zöliakie Vitaminmangel verursachen?

Bei einer Zöliakie findet eine Überreaktion des Immunsystems auf Gluten statt, was zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut führt. Dadurch wird die Dünndarmschleimhaut geschädigt und die Fähigkeit des Körpers, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen, beeinträchtigt. Diese Malabsorption von Nährstoffen betrifft auch Vitamine und Mineralien.  

Im Allgemeinen sollte sich die Dünndarmschleimhaut erholen, sobald die an Zöliakie erkrankte Person ihre Ernährung auf eine glutenfreie Diät umstellt. Bei manchen Schädigungen kann es jedoch lange dauern, bis sie sich zurückbilden. 

Nahrungsergänzungsmittel bei Zöliakie 

An Zöliakie oder Gluten-/Weizensensitivität erkrankte Personen sollten immer darauf achten, genügend Mikronährstoffe zu sich zu nehmen. Laut der aktuellen Leitlinie soll bei bestehendem Mikro- und Makronährstoffmangel bereits bei grenzwertigen Werten eine Korrektur erfolgen.3 

Bei der Frage, welches Multivitaminpräparat für an Zöliakie erkrankte Personen am besten geeignet ist, ist neben den zuzuführenden Nährstoffen auch darauf zu achten, dass das Präparat kein Gluten enthält. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nur unter Betreuung einer Ärztin oder eines Arztes vorzunehmen.  

Bedingt eine glutenfreie Ernährung einen Nährstoffmangel? 

Auch eine glutenfreie Ernährung ermöglicht es, alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe zu sich zu nehmen, da weiterhin eine breite Palette von Lebensmitteln auf dem Speiseplan steht – darunter Fisch, Fleisch, Eier und Milchprodukte. Aufgrund der Malabsorption ist es jedoch besonders wichtig darauf zu achten, durch eine ausgewogene Ernährung regelmäßig Mineralstoffe und Vitamine zu sich zu nehmen. 

Es gibt 13 Vitamine, die in zwei Gruppen unterteilt sind: 

  • fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) 
  • wasserlösliche Vitamine (B-Gruppe und C) 

Bei einer ausgewogenen, glutenfreien Ernährung kann der Körper eine kleine Reserve an fettlöslichen Vitaminen speichern, so dass diese nicht unbedingt täglich Teil der Ernährung sein müssen. Die wasserlöslichen Vitamine können nicht im Körper gespeichert werden – deshalb ist es so  wichtig, täglich frisches Obst, Gemüse, Milch- und Vollkornprodukte zu essen. 

 

Welche Lebensmittel enthalten welche Vitamine und wofür sind sie wichtig?

Fettlösliche Vitamine

 Vitamin A

  • Wofür ist es wichtig?  
    Augen (Sehvermögen), Wachstum, Fruchtbarkeit, Haut und Schleimhäute, stärkt das Immunsystem 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Leber, Butter, Käse und Eiern. Vorstufen von Vitamin A sind in gelbem und orangefarbenem Gemüse und Obst sowie in Grünkohl und Spinat enthalten und können vom Körper in Vitamin A umgewandelt werden 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Erhöhte Infektionsanfälligkeit, verminderte Sehschärfe, trockene Augen, trockene Haut und Schleimhäute 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze und Licht, wenn es Sauerstoff ausgesetzt ist 

Vitamin D

  • Wofür ist es wichtig?  
    Starke Zähne und Knochen, Regulierung von Kalzium und Phosphat 
  • Wo ist es enthalten? 
    In ölreichem Fisch wie Hering, Aal oder Lachs. In Pilzen, Eigelb, einigen Käsesorten und Milchprodukten. Der Körper kann Vitamin D selbst herstellen, wenn er dem Sonnenlicht ausgesetzt ist 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Rachitis bei Kindern (Knochenverformung), Osteomalazie bei Erwachsenen (Knochenerweichung), Müdigkeit, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Licht und Sauerstoff 

Vitamin E

  • Wofür ist es wichtig?  
    Schützt Zellen und Arterien vor freien Radikalen. Stärkt das Immunsystem und reduziert Entzündungen 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Pflanzenölen, Nüssen, Avocados und grünem Blattgemüse  
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Störungen des Nervensystems, gestörte motorische Koordination, Seh- und Konzentrationsstörungen 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze und Licht  

Vitamin K

  • Wofür ist es wichtig?  
    Unterstützt die Blutgerinnung und den Knochenstoffwechsel 
  • Wo ist es enthalten? 
    In grünem Gemüse, Kohl, Hülsenfrüchten, Eigelb, Sonnenblumenöl und Leber 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Blutgerinnungsstörungen, Spontanblutungen (die bei Neugeborenen häufig zu Hirnblutungen führen können) 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Licht, jedoch nur minimal 

Wasserlösliche Vitamine

Vitamin B1 (Thiamin)

  • Wofür ist es wichtig?  
    Unterstützt den Energiestoffwechsel in den Zellen 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Fleisch (insbesondere Schweinefleisch), Innereien, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Kartoffeln 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gedächtnisverlust, Verwirrung, Ödeme, Abbau von Skelettmuskeln, geschwächter Herzmuskel 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze, Licht und Sauerstoff 

Vitamin B2 (Riboflavin)

  • Wofür ist es wichtig?  
    Beteiligt an zahlreichen biochemischen Prozessen in allen Bereichen des Stoffwechsels 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Milch, Käse, Leber, Eiern, Fleisch, Fisch, Spargel, Spinat und verschiedenen Kohlsorten 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Risse in den Mundwinkeln (sogenannte Rhagaden), Entzündung der Mundschleimhaut und der Hornhaut, Bildung von Katarakten 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Licht 

Vitamin B6 (Pyrodoxin)

  • Wofür ist es wichtig?  
    Wichtige Funktion im Eiweißstoffwechsel, Auf- und Abbau von Aminosäuren 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Nieren, Leber, Fleisch, Fisch, Nüssen, Getreide, Kohl, grünen Bohnen, Bananen und Avocados 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Entzündungen im Mundbereich, Hautveränderungen, Blutarmut, Taubheitsgefühl in den Extremitäten  
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze, Licht und Trockenheit 

Vitamin B12 (Cobalamin)

  • Wofür ist es wichtig?  
    Wichtige Rolle bei der Bildung roter Blutkörperchen und Einfluss auf den Eiweißstoffwechsel 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Milch, Käse, Eiern, Fisch, Leber und Nieren  
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Veränderungen des Blutbildes (insbesondere Anämie), Müdigkeit, Brennen im Mund, Taubheitsgefühl  
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze 

Vitamin C

  • Wofür ist es wichtig?  
    Unterstützt die Bildung von Kollagen, wichtig für das Immunsystem, Schutz vor freien Radikalen, verbessert die Aufnahme von Eisen im Darm 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Acerola-Kirschen, Sanddorn, Hagebutten, Paprika, Kiwis, schwarzen und roten Johannisbeeren, Brokkoli, Kohl und Zitrusfrüchten 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Skorbut (langsame Wundheilung, Zahnfleischbluten und Muskelschwund), erhöhte Anfälligkeit für Infektionen 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze und Sauerstoff 

 Biotin (Vitamin B7)

  • Wofür ist es wichtig?  
    Wichtiger Bestandteil verschiedener Enzyme, hat eine Reihe von Funktionen im Stoffwechsel 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Leber, Eigelb, Sojabohnen, Spinat, Nüssen, Pilzen und Hafer 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Hautekzeme und Haarausfall (begleitet von Müdigkeit und Übelkeit), Depression, Schwindel, Wahrnehmungsstörungen 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Kaum Empfindlichkeiten vorhanden 

Folsäure

  • Wofür ist es wichtig?  
    Zellteilung und Wachstumsprozesse  
  • Wo ist es enthalten? 
    In Leber, Spargel, Salat, Spinat, Tomaten, Eigelb und Vollkornprodukten 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Blutarmut, fördert Arteriosklerose und Demenz. Folsäuremangel in der Schwangerschaft kann zu Missbildungen des ungeborenen Kindes führen 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze, Licht und Sauerstoff 

Vitamin B3 (Niacin)

  • Wofür ist es wichtig?  
    Unterstützt biochemische Prozesse zur Energieversorgung und aller Stoffwechselvorgänge in den Zellen 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Fleisch, Fisch, Eiern, Milch, Erdnüssen, Innereien, Vollkorngetreide, Kernen und Körnern 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Allgemeine Schwäche, die Hautkrankheit Pellagra (verbunden mit Dermatitis, Durchfall und neurologischen Problemen) 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Kaum Empfindlichkeiten vorhanden 

Vitamin B5 (Pantothensäure) 

  • Wofür ist es wichtig?  
    Beteiligt an biochemischen Reaktionen, z.B. am Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel sowie an der Cholesterinsynthese 
  • Wo ist es enthalten? 
    In Fleisch, Fisch, Leber, Eiern, Milch, Getreide und Hülsenfrüchten 
  • Was sind mögliche Mangelsymptome? 
    Müdigkeit, Magenschmerzen, Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen in Gliedmaßen und Füßen 
  • Wogegen ist es empfindlich? 
    Hitze

Fußnoten: 

1 Quelle: Konsultationsfassung Leitlinie Zöliakie Sk-2 

2 Quelle 1: Bledsoe AC, King KS, Larson JJ, Snyder M, Absah I, Choung RS, Murray JA. Micronutrient Deficiencies Are Common in Contemporary Celiac Disease Despite Lack of Overt Malabsorption Symptoms. Mayo Clin Proc. 2019 Jul;94(7):1253-1260. doi: 10.1016/j.mayocp.2018.11.036. PMID: 31248695.  

Quelle 2:  Wierdsma NJ, van Bokhorst-de van der Schueren MA, Berkenpas M, Mulder CJ, van Bodegraven AA. Vitamin and mineral deficiencies are highly prevalent in newly diagnosed celiac disease patients. Nutrients. 2013 Sep 30;5(10):3975-92. doi: 10.3390/nu5103975. PMID: 24084055; PMCID: PMC3820055. 

3 Quelle: Sk-Leitlinie Zöliakie