Nicht selten hört man von Kindern Kritik und Beschwerden über ihre glutenfreie Ernährung, vor allem kurz nach der Diagnose. Wir zeigen Möglichkeiten, mit denen du Kindern mit Zöliakie das Leben zu Hause und in der Schule leichter machen kannst.
Zu Hause
"Der Umstand, dass wir nicht essen können, was andere essen, wird natürlich oft als ungerecht empfunden. Hier hilft es, die Kompetenz der Person hervorzuheben, die sich dem Problem stellt und damit lebt“, erklärt die Ernährungspsychologin Ellen Stemmer, die bei der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) für den Bereich Ernährung zuständig ist. Sie empfiehlt: „Wenn eine Ernährungsumstellung notwendig ist, ist es sinnvoll, dass die ganze Familie für eine bestimmte Zeit nur Lebensmittel isst, die kein Gluten enthalten. Und wenn Kinder in der Küche oder beim Einkaufen helfen dürfen und sie mit eingebunden werden, bleiben nur selten Reste übrig.“
Das Miteinander ist wichtig
Eine weitere Möglichkeit, deinen Kindern zu helfen, ist ganz einfach: Iss so oft wie möglich mit ihnen gemeinsam. Mit der Familie oder Freunden gemeinsam am Tisch zu sitzen, vermittelt Harmonie, Gelassenheit und Wohlbefinden. Auch wenn es kaum vorstellbar ist, so sorgt die Geselligkeit doch für ein gutes Sättigungsgefühl.
Professor Christoph Klotter, Ernährungspsychologe an der Universität Fulda in Deutschland, hat umfangreiche Studien zu diesem Thema durchgeführt und festgestellt, dass: „Mahlzeiten, die wir gemeinsam mit anderen einnehmen, sättigen uns nicht nur körperlich, sondern erfüllen uns auch in sozialer und psychischer Hinsicht. Es macht uns glücklich, ausgeglichen und ist vor allem ein Ritual, das die Beziehungen belebt und stärkt, egal ob es sich um eine Familie, ein Paar oder Freunde handelt.“
Gemeinsame Mahlzeiten sind oft eine Gelegenheit, um Ideen auszutauschen und miteinander zu reden. Sie sind ein zentraler Baustein für den Aufbau und die Stabilität einer Gemeinschaft“, so Professor Klotter.
Das meint die Wissenschaft
Laut einer kalifornischen Studie essen Kinder und Jugendliche, die mindestens dreimal pro Woche mit ihren Eltern gemeinsam essen, mehr Obst, Gemüse und kalziumreiche Milchprodukte und weniger Fastfood und Süßigkeiten. Eine andere Studie ergab, dass Kinder, bei denen die gesamte Familie gemeinsam zu Abend isst, weniger häufig von Fettleibigkeit und Essstörungen betroffen sind. Und nicht nur Kinder profitieren davon: Auch Erwachsene sind eher bereit, neue oder in Vergessenheit geratene Gerichte zu probieren, wenn andere sie ihnen anbieten. Auf diese Weise variiert der tägliche Speiseplan, wodurch er reichhaltiger und aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ausgewogener wird. Das trifft natürlich auch zu, wenn die vorgeschlagenen neuen Gerichte nur glutenfreie Lebensmittel enthalten.
Eigentlich geht es darum, mit deiner Familie oder deinen Freunden gemeinsam am gedeckten Tisch zu sitzen, ihnen von deinen Abenteuern und Missgeschicken des Tages zu erzählen und die liebevoll zubereiteten Gerichte zu genießen. Gibt es etwas Besseres?
In der Schule
Zu Hause mit all diesen Dingen umzugehen ist eine Sache. In der Schule kann dieses Gefühl der Ausgrenzung aber viel größer sein. Das ist jedoch gar nicht nötig! Hier sind 3 Tipps, damit sich Kinder mit Zöliakie mit ihrer glutenfreien Ernährung wohlfühlen:
- Erkläre deinem Kind, dass andere Kinder möglicherweise nicht wissen, was Zöliakie ist. Wahrscheinlich wissen sie gar nichts über Gluten oder eine glutenfreie Ernährung. Ein Kind mit Zöliakie, das dies weiß, ist weniger leicht beleidigt und fühlt sich weniger missverstanden, wenn ihm ein anderes Kind zum Beispiel eine Süßigkeit oder etwas anderes anbietet, was es nicht essen kann.
- Gib deinem Kind Tipps, wie es seine Krankheit erklären kann: Was Gluten ist, die Symptome und die Folgen, wenn es Gluten isst. Das Beschreiben der Übelkeit, der Bauchschmerzen und des allgemeinen Unwohlseins hilft, denn auch wenn es aus anderen Gründen geschieht, kennen alle Kinder diese Dinge und können sie daher leichter verstehen.
- Und noch ein Tipp: Gib deinem Kind ab und zu glutenfreie Snacks oder Süßigkeiten mit, die es mit anderen Kindern teilen kann. So kann es den anderen Kindern zeigen, dass sein Essen genauso gut und lecker ist wie das Essen der anderen.