Die Diagnose ist keine Bürde...

…,sondern der Anfang von einem viel glücklicheren und gesünderen Leben! Wenn ich mich an die Zeit vor der Diagnose zurück erinnere, dann erinnere ich mich vor allem an die heftigen Schmerzen nach jedem Essen. Daran, dass ich teilweise gar nicht richtig vom Tisch aufstehen konnte, weil ich vor Schmerzen nicht mehr aufrecht stehen konnte. Und auch daran, dass ich ständig müde und schlapp war, oft Kopfschmerzen und Hautausschlag hatte und mich generell sehr unwohl in meinem Körper gefühlt habe. Auch wenn die Diagnose Anfangs ein Schock war, ich überfordert mit der Situation war und gedacht habe, dass ich ab jetzt nichts mehr essen kann, bereue ich den Schritt in die glutenfreie Ernährung heute zu 0,0%. Denn ab diesem Zeitpunkt hatte mein Körper die Zeit, sich zu heilen und sich von der ständigen Glutenbelastung zu erholen. Heute habe ich keine Ausschläge mehr, fühle mich deutlich belastbarer und bin glücklich und zufrieden nach einer Mahlzeit.

Meine gesamte Ernährung hat sich verändert - und zwar, wie ich finde - zum Besseren. Denn heute bin ich dazu gezwungen, mir die Zutaten eines Produkts durchzulesen und achte daher auf kurze Zutatenlisten, natürliche Inhaltsstoffe und versuche Geschmacksverstärker und Stabilisatoren zu vermeiden. Ich kaufe weniger Fertigprodukte und achte auf eine ausgewogene und vielseitige Ernährung. 

Statt nährstoffarmen glutenhaltigen Produkten verwende ich viel Obst und Gemüse im Alltag - denn das ist meist von Natur aus glutenfrei. Alles in allem habe ich eine andere Verbindung zu meinem Körper gefunden und kümmere mich viel bedachter um ihn als es vor der Diagnose. Und ich bin mir sicher, dass viele dieser Dinge auch auf dich zutreffen. Statt also dem belegten Brötchen vom Bäcker oder dem Döner hinterher zu trauern, versuche ich die positiven Dinge wertzuschätzen, die durch die Diagnose gekommen sind.

Kümmere dich um deinen Körper...

…,denn du hast nur diesen einen. Ich bin mittlerweile in meiner Self-Care Ära angekommen, in der es mir wichtiger ist, 90 Minuten nach dem Aufstehen keinen Kaffee zu trinken und genügend Schlaf zu bekommen, als im Club feiern zu gehen. Und ich bin ganz ehrlich: Ich find‘s super. 

Mittlerweile startet bei mir jeder Tag gleich. Bevor ich morgens etwas esse, nehme ich meine Probiotika und Vitamine zu mir. Aktuell ergänze ich D3, K2 und B12, da bei meinem letzten Blutbild hier ein Mangel vorlag. Wenn man Zöliakie hat, sollte man seine Blutwerte ja sowieso regelmäßig kontrollieren lassen und wenn man sowieso schon dabei ist, kann man ja gleich ein paar andere Werte überprüfen lassen. Grundsätzlich solltest du aber immer mit deinen ÄrztInnen sprechen, bevor du Vitamine oder andere Präparate zu dir nehmen möchtest. Außerdem versuche ich in meinen Alltag regelmäßig Sport zu integrieren. Ich persönlich mache gerne Pilates, weil ich die intensive, aber dennoch ruhige und kontrollierte Muskelarbeit sehr viel angenehmer finde als zum Beispiel Cardio. Das mag aber auch daran liegen, dass mir mein Asthma hier immer regelmäßig einen Strich durch die Rechnung macht. Auch kurze mental health walkies an der frischen Luft können dir dabei helfen, entspannter und gesünder durch den Tag zu gehen. Zudem unterstützt die Bewegung deinen Darm, hilft bei der Verdauung und fördert damit dein allgemeines Wohlbefinden. Denn tatsächlich hängt super viel in unserem Körper mit dem Darm zusammen, weswegen du dich immer gut darum kümmern solltest (vor allem, wenn du Zöliakie hast).

Planung ist das halbe Leben

Es ist kein Geheimnis, dass man viel an Spontanität einbüßt, wenn man sich strikt glutenfrei ernähren muss. Denn nicht in jedem Restaurant gibt es glutenfreie Optionen, an Bahnhöfen oder im Bordbistro sind glutenfreie Speisen auch meist Mangelware und das Café um die Ecke backt leider nur glutenhaltig. Daher ist es immer ratsam, Notfall Snacks in der Tasche zu haben, sich die Restaurants in der Nähe im Vorfeld gut anzuschauen, die Speisekarten auf glutenfreie Optionen zu checken und das Restaurant für die nächste Girls Night selbst auszusuchen. Vor allem der Notfall Snack ist so ein Game Changer, glaub mir! Denn nichts ist schlimmer als hangry zu sein und den Freunden dann beim Essen zuschauen zu müssen, oder noch ewig lang nach Hause fahren zu müssen. Ebenso liebe ich es zu Meal Preppen. Vor allem in stressigen Phasen erleichtert es das Leben ungemein, wenn im Kühlschrank schon das Mittagessen wartet. Vor allem wenn man nicht von zu Hause arbeitet, in der Bib lernt oder auf Reisen ist, beruhigt es mich immer sehr zu wissen, dass ich auf jeden Fall etwas Leckeres und Nahrhaftes zu Essen finde. Auch morgens nimmt mir mein Meal Prep viel Stress ab und ich kann morgens zum Beispiel länger schlafen oder den Morgen ruhiger angehen, da ich mir die Zeit in der Küche spare und mein Frühstück nur noch aus dem Kühlschrank holen muss. Großartige Meal Prep Rezepte, die ich selbst immer wieder zubereite, sind zum Beispiel Chia Pudding, Porridge, Baked Oats, Ofenkartoffeln, Bowls mit Quinoa, Curry oder Energy Balls.

Kommunikation ist das A und O

Die Diagnose und die damit verbundenen Änderungen in deiner Ernährung sind am Anfang nicht nur für dich neu, sondern auch für deine Freunde und Familie. Es ist daher wichtig, dass du genau kommunizierst, was dir von nun an wichtig ist und worauf sie achten sollten. Ebenfalls ist es wichtig, dass du immer wieder aufklärst und versuchst ins Gespräch zu gehen, um dein Umfeld mit der Zöliakie und der glutenfreien Ernährung vertraut zu machen. Ich bin mittlerweile super dankbar für mein Umfeld, denn tatsächlich nehmen mich all meine Herzensmenschen ernst und versuchen, mich auf mich einzustellen. Freunde oder Familienmitglieder, die das nicht für mich getan haben, zählen heute nicht mehr zu meinem näheren Umfeld. Ich bekomme heute beispielsweise Fotos von glutenfreien Produkte per Whatsapp zugeschickt wenn meine Mädels im Urlaub sind, einige meiner Freunde haben mittlerweile ein eigenes glutenfreies Snack-Fach zu Hause und meine Eltern nehmen die Sache mit der Kreuzkontamination so ernst, dass sie sich komplett glutenfrei ernähren und vorher alles reinigen, wenn ich für längere Zeit zu Besuch bin. Ohne eine ständige Kommunikation und Aufklärung auf Augenhöhe wären all diese Dinge vermutlich nie passiert. Trau dich also, für dich einzustehen und sprich deine Wünsche bei deinen Liebsten an.

Alle Gedanken sind erlaubt

Ich glaube jede Person die Zöliakie hat folgende Dinge schon mindestens einmal gefühlt: Auf den eigenen Körper wütend sein und sich wünschen, dass dieser einfach normal funktionieren würde, sauer auf sich selbst und andere an einem Glutenunfall beteiligte Personen zu sein, oder Angst vor den Auswirkungen und Symptomen eines Glutenunfalls zu haben. Es kann gar nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Erst recht nicht unmittelbar nach einem Glutenunfall. Sich in diesen Momenten emotional, verletzlich und traurig zu fühlen, ist normal. Auch sich selbst zu bemitleiden, selbstkritisch und sauer zu sein, ist normal. All diese Gedanken gehören genauso zu deinem New Normal, wie zum Beispiel die Frage nach der Kreuzkontamination oder das Durchlesen der Zutatenliste eines Produkts. Und seitdem ich das verstanden habe, fällt es mir auch viel leichter, die schwierigen Situationen und nicht so schönen Tage mit der Zöliakie zu meistern. Es ist okay, sich die Zeit zu nehmen und all die negativen Gefühle zuzulassen und zu verarbeiten, solange du dich nicht davon runterziehen und einschränken lässt! Jeder Glutenunfall hat etwas Gutes, denn du kannst daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Auch sich in sozialen Situationen wie der Geburtstagsparty einer Freundin ausgeschlossen zu fühlen hat etwas
positives an sich: nächstes Mal bist du besser vorbereitet und bringst vielleicht sogar einen glutenfreien Kuchen für alle Partygäste mit. All diese Learnings helfen dir am Ende dabei dich besser in deinem glutenfreien Alltag zurechtzufinden und soziale Events selbstbewusst zu meistern. Glaub mir, es lohnt sich. Denn mehr Freiheit und Spontanität bekommst du in deinem glutenfreien Alltag nur, wenn du deine glutenfreie Comfort Zone verlässt und dich neuen Situationen stellst.

Finde deinen glutenfreien Safe Space

Ich hoffe sehr, dass dir meine Learnings für deinen eigenen glutenfreien Alltag weiterhelfen können und du dich nicht mehr so allein mit deiner Zöliakie fühlst. Denk immer dran: Nur, weil du in deinem näheren Umfeld vielleicht keinen anderen Zöli kennst, bedeutet das nicht, dass du allein bist. Wir sind viele und nur gemeinsam können wir uns gegenseitig unterstützen und in unserer glutenfreien Bubble einen Safe Space kreieren. Falls du noch auf der Suche nach so einem Safe Space für deine Fragen und Probleme bist, dann schau gerne bei meinen Social-Media-Kanälen vorbei. Neben Tipps und Tricks für den glutenfreien Alltag und persönlichen Geschichten gibt es dort auch leckere Rezepte und Austausch auf Augenhöhe.


Alles Liebe,
Deine Lynn


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