Die Urlaubszeit neigt sich dem Ende zu. Tschüss Lotterleben, hallo Berufs- und Büroalltag! Erst einmal wieder ankommen, Mails checken, unzählige Teams-Nachrichten beantworten. Während alle um mich herum sichtlich erholt und energiegeladen von ihren Sommerabenteuern erzählen, sitze ich mit meinen mitgebrachten Snacks in der Brotbox da und denke: Willkommen zurück im Arbeitsalltag!

Während man sich im Laufe der Zeit schon an viele Lebensbereiche und Situationen wie das Reisen, Familienbesuche & Co. mit Zöliakie gewöhnt hat, ist das Office-Leben mit Zöliakie noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Auch hier bedeutet das glutenfreie Leben zusätzlichen Aufwand und Planung. Denn: Die Zöliakie kannst du an stressigen Tagen nicht einfach mal Zuhause lassen, sondern musst sie Tag für Tag mit ins Büro schleppen – und auch beim Essen einplanen! Und da geht es auch schon los…

Kantine – zwischen Augenrollen und Verständnis 

Zurück ins Büro bedeutet auch: Zurück in die Kantine. Während sich die Kolleginnen und Kollegen Woche für Woche vom Kantinenplan überraschen lassen oder hier und da mal beim Lieferdienst bestellen, ist das mit Zöliakie nicht so einfach! Hierbei ähnelt das eher einem Glücksspiel, ob ein Gericht dabei ist, das ich trotz meiner Zöliakie essen kann.

Ich muss ehrlich gestehen, dass die Kantinenbesuche bei mir alles andere als Liebe auf den ersten Blick waren. Die ersten Wochen, wenn nicht Monate liefen ganz schön schleppend – teilweise hätte ich die Pause am liebsten übersprungen und wäre am Schreibtisch sitzengeblieben. Alleine, um den lästigen Nachfragen der Kollegen zu entgehen und um nicht immer diejenige mit den „Sonderwünschen“ zu sein, die die ganze Schlange unnötig lange aufhält.

Ich hatte das Gefühl, dass das Kantinenpersonal regelmäßig innerlich mit den Augen rollt, wenn ich meine klassischen Fragen gestellt habe. Sind die Pommes glutenfrei? Wird noch etwas anderes in der Fritteuse zubereitet? Welches Gewürzsalz verwendet ihr? Habt ihr mit der Soßenkelle vorher die glutenhaltigen Nudeln berührt? Ist heute Maggi in der Suppe? Ich hatte ständig das Gefühl einfach lästig zu sein. „Nicht schon wieder so eine, die jeden Trend mitmacht.“

Kommunikation is Key

Es hat seine Zeit gebraucht, aber all das hat sich geändert. Nicht von jetzt auf gleich, aber mit der Zeit. Heute habe ich das Gefühl, dass wir (mit kleinen Ausnahmen) dieselbe Sprache sprechen. Wissen, worauf es ankommt und Verständnis füreinander zeigen. 

Es mag so einfach klingen, aber weißt du, wie wir das geschafft haben? Indem wir miteinander gesprochen und einander zugehört haben! Irgendwann war es so weit. Bei mir wurde die bunte Mischung aus Frust und Verzweiflung immer größer – so konnte es einfach nicht weitergehen! Also habe ich all meinen Mut zusammengenommen, bin in die Kantine gestapft und habe das Gespräch gesucht. Ich habe erklärt, dass ich wirklich erkrankt bin. Dass ich all das nicht freiwillig mache, sondern tatsächlich Zöliakie habe. Und das Wichtigste: Ich habe Verständnis gezeigt, dass es für das Kantinenpersonal schwierig sein muss zu differenzieren, wenn immer wieder Mitarbeitende dabei sind, die „glutenfrei“ essen, aber regelmäßig bei den offensichtlich glutenhaltigen Gerichten zugreifen. 

Auch wenn es eine echte Überwindung für mich war, bin ich heute froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Das schönste für mich ist heute, dass meine Fragen auf Augenhöhe beantwortet werden. Weil die Kolleginnen und Kollegen in der Kantine mittlerweile wissen, wie wichtig das für mich ist. Hin und wieder sind wir an dem Punkt, an dem wir uns fast blind verstehen! An manchen Tagen kommen sie mir schon zuvor, wenn sie mich in der Schlange entdecken: „Zoe, die Pommes kannst du heute essen. Wir haben nichts anderes in der Fritteuse!“ Aber nicht nur das: Immer häufiger werde ich durch wirklich süße Gesten überrascht: „Guck mal Zoe, wir haben die Gemüsebrühe ersetzt und kaufen jetzt immer eine, die glutenfrei deklariert ist! Dann kannst du die Suppen öfter essen!“ Das sind die Momente, in denen das glutenfreie Leben gar nicht mehr so schwer erscheint, sondern richtig schön ist!

Routinen finden, die das Leben leichter machen!

So habe ich eine Routine gefunden, die für mich funktioniert. Zu Beginn der Woche checke ich genau, was der Kantinenplan für die kommenden Tage hergibt, halte hier und da Rücksprache und plane dementsprechend meine Arbeitswoche – zumindest kulinarisch. Falls an einem Tag nichts für mich dabei ist, bereite ich zu Hause etwas vor, das ich dann in guter alter Meal-Prep-Manier mitnehme. Ganz egal, ob es eine bunte Bowl oder easy-peasy Overnight-Oats sind! Natürlich bleibt dabei die Spontanität auf der Strecke, aber zumindest habe ich so eine gewisse Sicherheit, dass ich mich mit einem leeren Bauch durch den weiteren Tag quälen muss!

Teamevents – eine Herausforderung mit Tücken

„Dieses Jahr machen wir einen Kochkurs!“ höre ich meinen Chef noch sagen. Ich habe allergrößte Mühe, mein Entsetzen nicht direkt zu zeigen. Innerlich gehe ich schon wieder alle möglichen Szenarien durch und frage mich, warum wir immer wieder bei kulinarischen Aktivitäten landen. Der wahrgewordene Alptraum! Ich hatte mich doch schon so auf den Töpferkurs gefreut! Ein Kochkurs also. Puh! Ich hatte frühzeitig nachgefragt. „Nee, glutenfrei ist kein Problem. Das können wir entsprechend anpassen.“ Auf dem Papier mag das vielleicht stimmen, aber die Realität sieht ja oft anders aus. Du kannst es dir denken: Es kam anders als geplant! 

Der Nachmittag nahm seinen Lauf und ich war selten so angespannt. Gefühlt waren meine Augen überall zur gleichen Zeit. Wie schneiden die Kollegen das Gemüse, werden die glutenfreien Pasta separat gekocht? Welche Brettchen nutzt Max da drüben? Und ganz ehrlich: Was bringt mir das glutenfreie Mehl, wenn der Brandteig mit dem Holzlöffel gerührt wird, mit dem auch zuvor die glutenhaltigen Teige zubereitet wurden? Selten habe ich mich so unwohl und einfach hilflos gefühlt. Als wenn ich unsichtbar wäre. Was mich am meisten genervt hat? Dass der Leiter der Kochschule durch seine frech-flapsigen Sprüche meine Sorgen ignoriert hat und darüber hinweggegangen ist! Und das als ausgebildeter Koch! Anstatt zu diskutieren, habe ich mich irgendwann damit abgefunden und den Großteil nicht gegessen. 

Nein, ich will keine Extrawurst, ehrlich nicht. Ich will einfach nur ernst genommen werden. Zöliakie ist keine Lifestyle-Entscheidung, sondern eine chronische Autoimmunerkrankung. Offensichtlich wird das auch in 2025 viel zu oft noch übersehen! 

Was ich für mich mitgenommen habe? Neben einer Extraportion Frust und einem leichten Hungergefühl habe ich mir fest vorgenommen, bei der nächsten Planung viel früher für mich einzustehen. Nicht mit dem Anspruch, dass sich alles um mich drehen soll – aber mit der Hoffnung auf Verständnis. Und ganz ehrlich: Je öfter ich das tue, desto selbstverständlicher wird es für andere. Ich bin nicht „kompliziert“ – ich habe eine Erkrankung. Punkt. Vielleicht ist die Idee mit dem Moonlight-Minigolf gar nicht mal so schlecht! 

Meine Tipps für den glutenfreien Arbeitsalltag

Falls du selbst betroffen bist oder jemanden im Team hast, hier meine persönlichen Learnings nach einigen Jahren im glutenfreien Office-Dschungel:

  1. Suche das Gespräch – Mit den Kollegen und der Kantine! Viele Küchen sind offen für Feedback und lernen gerne dazu – auch wenn die Anfänge holprig sein mögen!
  2. Bring Notfallessen mit – Ein glutenfreier Riegel in der Schublade hat mir schon so manchen Nachmittag gerettet. Ein Plan B ist immer eine gute Idee!
  3. Erklären, nicht belehren – Erklärungen auf Augenhöhe helfen, dass man ernst genommen und verstanden wird!
  4. Teamevents? Stehe für dich ein! – Suche das Gespräch zu deinen Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten – es gibt so viele Optionen, die nicht unbedingt mit Essen verbunden sein müssen! 

Mit Zöliakie im Büro: Herausfordernd, aber machbar!

Ich wünsche mir nicht, dass mein Umfeld alles perfekt macht. Ich wünsche mir nur, dass meine Bedürfnisse ernst genommen werden – ohne Augenzwinkern, ohne Genervtheit. Denn am Ende wollen wir doch alle dasselbe: Ein gutes Miteinander. Und ein Mittagessen, das satt macht – nicht krank.

Selbst wenn du noch ganz am Anfang stehst und dich der Gedanke alleine an den glutenfreien Büroalltag schon komplett überfordert: Das ist völlig o.k. und gehört auch wahrscheinlich einfach dazu. Es ist ein Prozess – auch ich habe es geschafft und mir meine Leichtigkeit zurückerobert. Zwar mit einigen Hürden und der ein oder anderen Herausforderung, aber es funktioniert! Es braucht zwar ein wenig Planung und Geduld, aber ich bin mir sicher, dass du das schaffst! 

Hast du noch Fragen rund um den glutenfreien Büroalltag oder möchtest dich einfach mal austauschen? Wie funktioniert es bei dir im Arbeitsalltag? Ich freue mich über deine Direktnachricht auf Instagram (@zoe_glutenfrei).

Xoxo, deine Zoe