Sobald die ersten Sonnenstrahlen am Himmel glitzern und irgendwo in der Nachbarschaft der Duft von angekohlten Maiskolben und mariniertem Grillkäse in der Luft liegt, bin ich mir sicher: Es ist wieder Grillzeit. Für viele beginnt damit die schönste Zeit des Jahres – für Menschen mit Zöliakie kann das jedoch echt herausfordernd sein! Anstatt sich unbesorgt auf gemütliche Abende mit seinen Lieblingsmenschen zu freuen, gehen einem automatisch unzählige Fragen durch den Kopf. Was war vorher wohl auf dem Grillrost? Lag da auch schon einmal Brot drauf? Das Grillgut wird doch wohl nicht mit Bier abgelöscht? Was wurde jetzt alles mit der Grillzange berührt? Ich bin mir sicher, dass dir einige der Fragen auch bekannt vorkommen, oder?
Meine erste Grillparty nach der Diagnose
Meinen ersten Grillabend nach der Diagnose werde ich nie vergessen. Nicht, weil er besonders schön war, sondern weil ich mich selten so unsicher gefühlt habe. Die Einladung kam spontan, das Wetter war herrlich. Perfekt für einen entspannten Abend bei leckerem Essen und dem ein oder anderen Getränk. Ein Anlass, auf den ich mich früher gefreut hätte – unbeschwert und unkompliziert. Doch diesmal war alles anders.
Meine Diagnose war da noch ganz frisch. Ich war gerade erst dabei zu verstehen, was es bedeutet Zöliakie zu haben und worauf ich alles achten muss. Alleine das hat mich schon maximal überfordert – woher soll ich denn dann noch wissen, worauf ich beim Grillen alles achten muss? Mein Leben war ein Chaoshaufen aus neuen Regeln, Unsicherheit und einer richtigen Informationsflut. Alles, was früher selbstverständlich war, fühlte sich plötzlich riskant an. Marinaden, Grillzangen, Brotkrümel.
Ich wollte weder die Spielverderberin sein noch jemandem Umstände machen. Ich wollte, dass alles so ist wie damals. Ich wollte einfach ich selbst sein – Zoe. Unbeschwert und vor allem sorglos. Stattdessen saß ich da mit meinen glutenfreien Würstchen und etwas geschnippeltem Grillgemüse, während meine vorsichtigen Fragen zum Grillrost mit einem lapidaren „Ach, das Gluten verbrennt doch bei der Hitze“ abgetan wurden. Ich lächelte tapfer, obwohl mir nicht danach war – und knabberte schließlich an ein paar mitgebrachten Crackern. Verunsichert, planlos und innerlich ziemlich frustriert.
Mein neues Ich
Mit der Zeit habe ich gelernt, wie ich mich auf solche Situationen vorbereiten kann – und was ich brauche, um mich wirklich sicher zu fühlen. Genau darum geht es am Ende doch: Nicht nur dabei zu sein, sondern mit einem guten Gefühl genießen zu können. Was kurz nach meiner Diagnose mit Unsicherheit und Bauchgrummeln verbunden war, ist heute Routine geworden. Und ja, inzwischen freue ich mich wieder, wenn eine Einladung zum nächsten Grillabend ins Haus flattert.
Denn eines habe ich über all die Jahre gelernt: Meine Bedürfnisse deutlich zu kommunizieren. Ohne mich dafür zu entschuldigen. Ohne Angst vor schrägen Blicken oder blöden Kommentaren.
Und wisst ihr was? Durch die Zöliakie bin ich sogar viel kreativer geworden. Statt mich auf das Gewohnte zu verlassen, probiere ich gern Neues aus. Ob sommerliche Bruschetta oder herzhafte glutenfreie Grillbrote – ich lasse mich gerne inspirieren. Die Seite von Schär kann ich dir da echt ans Herz legen! Hier gibt es unzählige Rezepte, die nicht nur sicher, sondern auch richtig lecker sind. Für mich der Beweis, dass man mit Zöliakie nicht nur mitessen, sondern richtig schlemmen kann – wenn man einige Spielregeln beachtet.
Zwischen Kohle und Kontrolle: Der Grill
Der größte Knackpunkt beim Grillen ist... der Grill. Klingt banal, ist aber so. Was für andere ein gewöhnlicher Rost ist, ist für mich potenziell kontaminiert – vor allem, wenn darauf vorher glutenhaltiges Grillgut oder Brötchen lagen. Aber nicht nur der Rost an sich ist kritisch. Auch die Grillzange kann es in bzw. an sich haben, wenn sie vorher mit glutenhaltigem Essen in Berührung gekommen ist. Und noch etwas: Entgegen einer weit verbreiteten Annahme verbrennt Gluten nicht durch die Hitze der Glut!
Meine Lösung: Ich bringe meine eigene Aluschale oder Grillmatte mit – und eine eigene Zange, die nur für das glutenfreie Grillgut genutzt wird. Das mag zwar aufwendig klingen, ist aber der einfachste Weg, um sicherzugehen, dass das Grillgut auch wirklich glutenfrei bleibt! Und ja, zuhause kommen natürlich nur komplett glutenfreie Zutaten auf den Grill!
Marinaden und Würzmischungen
Auch wenn Fleisch und Gemüse von Natur aus glutenfrei sind, heißt das noch lange nicht, dass wir sie bedenkenlos essen können. Auch fertige Marinaden, Grillgewürze und Saucen können Gluten enthalten – so wie alle verarbeiteten Lebensmittel.
Deshalb gilt: Entweder die Zutatenliste genau prüfen – oder gleich selbst machen. Ein bisschen Olivenöl, frische Kräuter, Zitronensaft, Knoblauch, Salz und Pfeffer – schon hat man eine einfache, super leckere Marinade, bei der man sich keine Sorgen machen muss. Und ganz ehrlich: Oft schmeckt das sogar besser als die gekaufte Variante, oder?
Brot & Beilagen
Glutenhaltiges Brot auf dem Tisch macht mich auch heute noch nervös. Es ist und bleibt eine potenzielle Gefahrenquelle, wenn die Krümel hier und da auf dem Tisch oder auf dem Teller landen. Deswegen bringe ich nicht nur mein eigenes glutenfreies Brot mit, sondern bitte auch immer wieder darum, den Brotkorb nicht über, sondern um den Tisch herum zu reichen, so dass auch wirklich kein Krümel auf den Leckereien landet.
Aber nicht nur beim Brot ist Vorsicht geboten. Auch bei Salaten und anderen Beilagen wie Oliven & Co. darf ein Blick auf die Zutatenliste nie fehlen! Nudelsalat? Nur mit glutenfreien Nudeln. Couscous? Geht gar nicht. Am liebsten bereite ich selbst etwas vor – etwa einen Nudelsalat mit Honig-Senf Dressing oder einen einfachen Kartoffelsalat. Auch bei Grillsoßen solltet ihr immer einen Blick auf die Zutatenliste werfen!
Getränke
Was viele oft übersehen: Gluten kann nicht nur auf dem Teller lauern, sondern auch im Glas. Neben klassischem Bier sind auch fertig gemixte Cocktails und viele alkoholfreie Getränke wie Fassbrausen, Radler oder alkoholfreie Biere glutenhaltig. Leckere Alternativen können da Wein, Sekt, glutenfreies Bier, Cider oder alkoholfreie Getränke sein! Schließlich möchte nicht nur mitessen, sondern auch mit anstoßen – ohne Sorgen!
Du schaffst das!
Mit ein bisschen Planung, Offenheit und der eigenen Grillschale ist glutenfreies Grillen nicht nur möglich, sondern richtig schön. Es ist okay kurz nach der Diagnose traurig, wütend oder komplett überfordert zu sein. Das alles gehört dazu. Es ist ein Prozess – auch ich habe es geschafft und mir meine Freude am Grillen zurückerobert. Zwar mit einigen Hürden und der ein oder anderen Herausforderung, aber es funktioniert! Es braucht etwas Vorbereitung, Kommunikation und vor allem das Wissen, worauf zu achten ist. Und ja, wenn du dich damit sicherer fühlst, ist es natürlich völlig ok, wenn du den Grill die ganze Zeit im Blick hast und genau beobachten kannst, ob alle Spielregeln eingehalten werden – so mache ich das auch!
Hast du noch Fragen rund um das glutenfreie Grillen mit Zöliakie? Möchtest einfach mal Luft ablassen oder dich austauschen? Magst du mir dein liebstes glutenfreies Grillrezept verraten? Was darf auf keinen Fall auf dem Grill fehlen? Ich freue mich über deine Direktnachricht auf Instagram (@zoe_glutenfrei).
Xoxo, deine Zoe