Kommt die „Pille“ gegen Zöliakie?

Kommt die „Pille“ gegen Zöliakie?

Alternativtherapien

Therapeutische Maßnahme in der Behandlung der Zöliakie ist die glutenfreie Ernährung. Das wird in nächster Zeit auch so bleiben. Trotz reger Forschungstätigkeiten und spannender neuer Ansätze steht noch keine der alternativen Therapieoptionen vor der Marktreife.

Eine der bis jetzt am weitesten fortgeschrittenen Therapien ist ein Präparat namens Larazotid, das die Durchlässigkeit der Dünndarmschleimhaut und gleichzeitig die Aufnahme von Gluten reduziert. Es kann bei Patienten mit einer gesicherten Zöliakie, die unter einer glutenfreien Ernährung noch Restbeschwerden haben, diese gut in den Griff bekommen. Als Alternative zur glutenfreien Ernährung ist das Präparat aber nicht geeignet.

Spannend klingen auch die Forschungen zu einer Zöliakie-Impfung, genauer gesagt zu einer hypersensibilisierenden Allergie-Impfung gegen Gluten-Proteine. Die Impfstoffe werden aktuell in einer klinischen Studie getestet. Ob es nach einer solchen Hypersensibilisierung dazu kommt, dass Patienten mit einer Zöliakie keine glutenfreie Diät mehr einhalten müssen, ist eher fraglich.

Ein weiterer Ansatz ist die Förderung des Gluten-Abbaus durch in Tablettenform aufgenommene Enzyme. Tatsächlich können Enzyme Nahrungsgluten in Fragmente abbauen, die dann keine Immunreaktion auslösen. Solche Präparate führen aber nicht dazu, dass Gluten aus der Nahrung vollständig abgebaut wird, sodass dieser Ansatz zur Behandlung der Zöliakie ungeeignet ist. Ob andere Gluten-assoziierte Erkrankungen von derartigen Enzymen profitieren ist nicht klar, ein Einsatz bei der Glutensensitivität wäre aber denkbar. Glutenabbauende Enzyme werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, klinische Studien, die eine Empfehlung rechtfertigen, fehlen aber.

Gentechnik

FAQ_AskAnExpert_67_2_Chemikerin mit Weizen in Labor

Interessant erscheint auch die Entwicklung von genetisch modifiziertem Weizen, der kein Gluten enthält. Im Reagenzglas sind diese genetischen Veränderungen schon weit fortgeschritten. Limitierend ist, dass - obwohl diese Getreide frei an alpha-Gliadin, einem zentralen Baustein von Gluten sind - die Immunreaktionen dennoch nur um 85% reduziert werden. Zur Behandlung der Zöliakie wäre das nicht ausreichend. Derartige gluten-reduzierte Getreide sind noch nicht erhältlich.