Südtirol – Treffpunkt der Schwärmer und Genießer

Südtirol – Treffpunkt der Schwärmer und Genießer

Ein glutenfreier Streifzug durch Südtirol.

Landschaften, die berühren, Berge, die keiner toppt und kulinarische Traditionen, die Sinn für das Besondere beweisen: Südtirol offenbart gerade auch im Herbst und Winter seine seelenvolle Schönheit. Und bietet für jeden Geschmack etwas. Auch für den glutenfreien.

Südtirol pflegt eine aparte Liaison der Gegensätze, in der Natur und Kultur sich elegant und geschmeidig ineinander verflechten: Da gibt es einmal das reizvolle Bild des Südens, das uns von Palmen und Ölbäumen unter schneebedeckten Gipfeln erzählt. Mit dem Rad oder auf schmucken Waalwegen wandernd lassen wir uns weiter geleiten, in Täler und Auen, wo ein Meer reifer duftender Äpfel Auge und Seele erfreut. Weiter führen die Wege entlang prall behangener Weinstöcke, die sich sanft an malerische Hügel und Hänge schmiegen. Und gleich dahinter tun sich die sagenumwobenen Dolomiten auf, die in der Morgensonne glühen und zum UNESCO-Weltnaturerbe zählen. Und unsere Bilder erzählen weiter: von den sattgrünen, von Almkräutern schwangeren Wiesen vor schroffen Bergkulissen oder von verträumten Bergdörfern einer tief verschneiten Winterlandschaft.

Article69_Geroestete Kastanien

„Über Südtirol zu sprechen ohne zu schwärmen, ist nicht leicht!“, bestätigt auch unsere Reporterin, die das Land für die Jubiläumsausgabe von „YourLife“ durchreist. Und das natürlich nicht, ohne auch gleich tolle Adressen für glutenfreies Wohnen und Essen sowie Wissenswertes rund um die herbstliche Leibspeise der Südtiroler, die Kastanie, zu recherchieren und mitzubringen.

Törggelen kommt nicht von Torkeln

Törggelen? Wer Südtirol nicht kennt, dem kommt zu diesem Wort – in freier Assoziation – erst einmal das deutsche Wort „torkeln“ in den Sinn. Aus der Balance geraten, meist durch übermäßigen Alkoholkonsum. Besteht die alte Südtiroler Tradition des Törggelens aber tatsächlich darin, auf wunderbaren Wanderwegen von einem Bauernhof zum nächsten zu torkeln? Erraten: Dem ist nicht so, zumindest nicht ganz. „Törggelen hat nichts mit Torkeln zu tun, sondern geht auf das Wort „Tiorggl“ zurück, was so viel wie Traubenpresse im Kelterraum bedeutet. Dass sich der eine oder andere in den jungen Wein, den es bei diesem Brauch zu verkosten gilt, verliebt und danach vor Liebe trunken ist, ist allerdings auch nicht ausgeschlossen!“ Das sagt einer, der es wissen muss. Sebastian Fausters Törggele-Hof liegt etwas abseits des Keschtnwegs im schönen Eisacktal, einer klassischen Wanderregion. Er keltert Bio-Weine, brennt Quittenschnaps und ist berühmt für seinen feinen Brand aus Edelkastanien. Das Tal reicht rund 80 km vom Brenner bis ins südliche Bozen und gilt als die Wiege des Törggelens, auch wenn sich diese lieb gewonnene Tradition mittlerweile im ganzen Land verbreitet hat. An diesem zarten, wunderbar warmen Herbsttag scheint das ganze Tal von den Liebhabern des jungen Weins bevölkert. Das Törggelen ist in Wahrheit aber viel mehr als die Begegnung mit dem jungen Wein, dem „Nuien“, den zu verkosten vor allem für Kenner jedes Jahr aufs Neue spannend ist. Den Wein samt dazugehörender Jause – oder Marende, wie die Südtiroler sagen – muss man sich nämlich schon ein wenig verdienen. Dem Niedersitzen und Genießen geht traditionsgemäß eine zumindest kleine Wanderung, meist in kleinen Gruppen, voraus. Ein milder Herbsttag, an dem die Schwalben in den Süden ziehen, die Berge in der Ferne leuchten und ein leises Lüftchen durch die Seele zieht. Der Herbst gilt in Südtirol überhaupt als die schönste und an Genüssen reichste Zeit, speziell in den Weingegenden des Südens. Wenn sich die Laubwälder in bunte Kleider werfen und die Rebzeilen unter der tiefer stehenden Sonne zu glühen scheinen, bäumt sich die Natur noch einmal in all ihrer Schönheit auf – und Menschen aus ganz Europa kommen, um sie zu sehen!

Kulinarische Verführungen – mit glutenfreien Kastanien in der Hauptrolle

Article69_Kastanien Toerggelen mit Suser

Nun aber genug geschwärmt über das milde Licht der Oktobersonne, die golden leuchtende Landschaft und die wunderbaren Wander - und Radwege – jetzt wollen wir wissen, was beim Törggelen ins Glas und auf den Teller kommt. Die genussreiche Tradition lebt ja auch von den kulinarischen Besonderheiten, die sie zu bieten hat. In geselliger Runde wird mit Muße verkostet, was Südtirol im Allgemeinen und der jeweilige Gastgeber/Bauer zu bieten hat: „Erdäpfl mit Butter“ ( Kartoffeln), „Nussen“ (Nüsse), Speck, Würste, geselchtes Fleisch und Rippelen mit Sauerkraut und Polenta (typischer norditalienischer Maisbrei) gehören zu den klassischen Törggelen-Speisen. Als Nachtisch werden immer über offenem Feuer gebratene „Keschtn“, also Maroni bzw. Esskastanien, serviert – ein Genuss, der wie kein anderer die saisonale Südtiroler Esskultur erlebbar macht! Wie schön, dass Kastanien glutenfrei sind. Dazu trinkt man frischen Traubensaft, der sich noch nicht zu Wein vergärt hat, oder eben den jungen Wein, der zu der nicht auszuschließenden Törggelen-Assoziation führen kann ...

Wandern oder Wellness? Beides bitte!

Das Eisacktal nördlich von Bozen, jene Gegend, in der der Brauch des Törggelens geboren wurde, ist aber nicht die einzige, in der er gepflegt wird. Für herbstliche Wanderurlaube kommt ebenso der Westen des Landes in Frage, wo zahllose wunderschöne Wanderwege geboten werden. Hier findet sich auch das vigilius mountain resort, das in seiner ausgezeichneten Küche stets auch glutenfreie saisonale Köstlichkeiten einsetzt. Polenta und Kastanien aus der Hand des begnadeten Küchenchefs sind aber bei weitem nicht das Eigentliche, das in das vigilius lockt. Auf 1.500 Metern Seehöhe gelegen und nur mit einer Seilbahn erreichbar, lässt hier eine Welt der erholsamen Ruhe und würzigen Bergluft alle Hektik vergessen. Geschmeidig bettet sich das 5-Sterne-Designhotel in die reizvolle Landschaft ein. Nur wenige Minuten sind es von der Ortschaft Lana im Etschtal aus, bis man in diesem Bergparadies hoch über dem Alltag ankommt. Als modernes Holzhaus atmet das vigilius Naturverbundenheit aus jeder Pore; Holz, Lehm und Leinen dominieren und erzeugen ein Gefühl stilvoller Geborgenheit. Nichts ist feiner, als an kühlen Tagen oder nach einem langen Bergmarsch im vielfältigen SPA des Hauses neue Kraft zu schöpfen – sei es im Heubad oder barfuß auf Tannenzapfen.

Und wie es mir mein Herz ergreift! – Begegnungen mit Bozen

Article69_Bozen Zentrum

Verlieben kann man sich in Südtirol nicht nur in hochalpine Fernsichten, würzige Bergluft, Murmeltiere, Wein und Speck, sondern auch in Städte, allen voran Bozen und Meran. Diese mondänen Metropölchen haben etwas an sich, das sonst nirgendwo zu finden ist. Man könnte es als unverkennbares Flair bezeichnen, wie es wohl immer nur am Schnittpunkt der Kulturen zu entstehen vermag. Über Jahrzehnte hat sich das Mediterrane – Zypressen, Zitronenbäume, lebhafte Märkte und südländische Eleganz – mit dem Rauen und Wildromantischen der Alpen, ihrem herben Charme und ihrer heimeligen Gemütlichkeit verwoben. Exemplarisch für diese Vielfalt fassen die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran die Schätze der Natur, der Gärten und Parkanlagen Südtirols in verschiedensten Gartenlandschaften zusammen. Als Reisender aus Richtung Nord erlebt man insbesondere Bozen als Meilenstein auf dem Weg in den Süden. Das liegt nicht nur daran, dass man den Brenner und das enge Eisacktal hinter sich gelassen hat; im meist sonnendurchfluteten breiten Etschtal mit seinen Obst- und Weingärten angekommen, meint man jedes Mal, in der Südtiroler Luft bereits einen Hauch von Mittelmeer zu erahnen. Ein Besuch in Bozen erweist sich auch tatsächlich als absolutes Highlight. Das wunderbar milde mediterrane Klima ist auch im Herbst in allen Winkeln und Gassen der malerischen Altstadt zu spüren. Erlesene Geschäfte, Luxus und Lebensart prägen die Atmosphäre. Alpenforelle trifft hier auf Octopus und der typische Vernatsch auf edle Tropfen des Südens. Kurzum: alpenländische Leckerbissen gesellen sich zu mediterranen Gaumenfreuden und verwöhnen den Genießer mit vereinten Kräften. Und dazu perlt das für Südtirols Städte so typische Stimmengewirr aus Deutsch und Italienisch durch die Gassen, die Lauben, Arkaden und Cafés, etwa rund um den Neptunbrunnen, dem Marktplatz der Stadt, der alle Delikatessen Italiens zu versammeln scheint. Gleich ums Eck liegt übrigens auch das Südtiroler Archäologiemuseum, das besonders mit Ötzi, dem Mann aus dem Eis, zahlreiche Besucher anlockt.

Vom Reiz der Gegensätze

An Bozen lässt sich vielleicht überhaupt am besten beschreiben, was Südtirol so reizvoll und besonders macht. Die Hauptstadt der nördlichsten Provinz Italiens lebt vom Zusammentreffen von Gegensätzen. Mit ihrer mediterranen Ausstrahlung inmitten einer alpin geprägten Umgebung nimmt sie jeden Besucher in ihren Bann. Bei einem Spaziergang auf der Wassermauer-Promenade beispielsweise, wenn der Blick durch Palmenzweige an Schloss Maretsch vorbei und über Weingärten und Häuserdächer hinweg auf den Rosengarten fällt. Oder im Zentrum der Altstadt, in der berühmten Laubengasse mit ihren alten Handelshäusern – hier pulsiert Leben, auch wenn einmal dichte Regenwolken über die alte Merkantilstadt ziehen. Nur im Winter, wenn sich der Advent wie ein Zauber über die Stadt legt, kehren sich nördlichere Traditionen in den Vordergrund. Vielleicht liegt das daran, dass Bozen 1989 das Christkindlmarktstatut von Nürnberg geschenkt bekam und sich seither am Waltherplatz ein Weihnachtsmarkt etabliert hat, der von Jahr zu Jahr beliebter wird.

Winter ist’s!

Article69_Skifahren in Suedtirol

Wenn die Zeit des Törggelens vorbei ist – sie reicht von Mitte Oktober bis in den Advent – beginnt die Zeit des Vergnügens in den Bergen. Und wie im Herbst hat Südtirol auch im Winter größte Vielfalt zu bieten. Wer den Winterschlaf sucht, informiert sich am besten nach entlegeneren, stillen Orten, die Gott sei Dank noch in verschiedensten Regionen Südtirols zu finden sind. Aber vor allem Aktivurlauber zieht es im Winter in die verschneite Südtiroler Bergwelt. Das Land bietet quer durch alle Haupt- und Nebentäler attraktive Gelände und flotte Pisten für einen abwechslungsreichen Urlaub im Schnee. Mehrere größere und kleinere Skigebiete mit ausgezeichneter Infrastruktur erfreuen die ganze Familie und Skifahrer gleichermaßen wie Snowboarder. Die beiden größten Skizirkusse sind Dolomiti Superski sowie die Ortler Skiarena. Allein der Dolomiti Superskipass erschließt 450 Lifte und 1200 Pistenkilometer …

Hier erlebt man Winterfeeling von seiner schicken, fröhlichen und modernen Seite – und bekommt dank der Höhenlage Schneesicherheit bis weit in den Frühling hinein garantiert.

Aktiv in Eis und Schnee – Winterfeeling pur!

Das größte zusammenhängende Skigebiet Südtirols liegt in der östlichen Landeshälfte. Auf den Berghängen des Grödner- und Gadertals finden sich sternförmig angelegte weitläufige Aufstiegsanlagen, deren Zentrum der Sella-Stock, ein Bergmassiv, das sich als Sattel über die Berge erhebt, bildet. Wer sich mit Skiern in die Sella-Ronda wagt, ist den ganzen Tag unterwegs, bis sich die Runde wieder schließt. 40 Pistenkilometer machen es möglich, den ganzen Tag Ski zu fahren, ohne einen einzigen Meter zweimal zu beehren.

Unser Tipp für gut gerüstete und trainierte Pistenflitzer gilt dem Porta Vescovo in Arabba oder auch dem Piz Boe in Corvara: hier kann man sich Skivergnügen der Superlative abholen!

Skivergnügen im Herzen der Dolomiten

Article69_Winter Skihuette Ahrntal

Wenn es darum geht, eine der Wintersportregionen den anderen vorzuziehen, hat man in Südtirol auf jeden Fall die Qual der Wahl. Trotzdem: Hier seien das Ahrntal, Gröden, der Furkelpass und Sexten als Empfehlungen genannt. Der Furkelpass etwa, auch Furkelsattel genannt, ist ein fast 1800 Meter hoher Gebirgspass im Herzen der Dolomiten. Er durchquert das Skigebiet Kronplatz, Südtirols Skiberg Nr. 1. Hier wird auch alles zelebriert, was es abseits der Pisten zu erleben gibt. 40 Hütten stehen zur Verfügung – von der urigen Stube über die trendige Bar bis hin zu endlosen Sonnenterrassen.

Zwei kleine, sehr familienfreundliche Skigebiete gibt es auch im Tauferer Ahrntal. Was so bescheiden klingt, erkennt man in seiner Größe freilich erst dann, wenn man auf dem malerischen von der Sonne verwöhnten Hochplateau seine Nase gen Himmel streckt!

Stille Winterfreuden

Aber auch wer sich nicht dem Pistenspaß verschrieben hat, findet überall in Südtirol alternative Wintervergnügen. Das Land ist voller Langlaufloipen, Rodelbahnen, Pferdeschlittenstrecken und vereister Naturseen, voll einsamer Wälder und Gipfel, die zum Schneeschuhwandern oder Tourengehen einladen. Gerade auch die kleinen Wintersportgebiete haben sich auf die ganze Bandbreite winterlicher Abenteuer eingestellt. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass gerade ein paar der kleinen, aber feinen Wintersportzentren in großer Nähe zu den Städten liegen, was auch ein kulturelles Programm – wie Theater, Konzerte, Kino, Museen und Ausstellungen – als Ergänzung zu Sport, Wellness und Hüttenzauber möglich macht. „Meran 2000“, aber auch das Wintersportgebiet Schwemmalm etwa liegen unweit von Meran und das Skigebiet Reinswald im Sarntal ist von Bozen aus mit dem Auto in 30 Minuten zu erreichen. Südtirol – ein Top-Tipp auch und gerade im Winter!