Glutenfreies Wissen von A - Z

Zöliakie zum Nachblättern

 Alles, was Sie schon immer über Zöliakie und glutenfreies Leben wissen wollten, haben wir hier für Sie zusammengetragen. Von A wie Anämie bis Z wie Zottenatrophie beantworten wir hier mit einem Mausklick die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Zöliakie

Zöliakie, na und?

Eine Diagnose die viele Fragen aufwirft.
Viele Fragen, insbesondere wegen der Einschränkungen in der täglichen Ernährung und aus Angst Lebensqualität einbüßen zu müssen. Die Angst ist jedoch völlig unbegründet, denn heute können auch Zöliakiebetroffene ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Es müssen nur einige Regeln dabei beachtet werden. Leben mit Zöliakie kann durchaus ein Leben ohne Kompromisse sein.

Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine dauerhafte Unverträglichkeit gegenüber Gluten.

Gluten ist ein Eiweiß, das in einigen Getreidesorten wie Weizen, Hafer, Gerste, Dinkel, Roggen, Kamut, Spelt und Triticale enthalten ist. Bei Kindern und Erwachsenen mit entsprechender genetischer Veranlagung führt die Aufnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln oder solchen, die Spuren von Gluten enthalten, zu einer Immunreaktion im Darm mit anschließender chronischer Ent zündung und Rückbildung der Dünndarmzotten (Atrophie). Die Dünndarmschleimhaut ist mit Zotten und Mikrovilli ausgekleidet, die somit die Oberfläche vergrößern, über die Nährstoffe aufgenommen werden. Bei Zöliakiebetroffenen haben sich die Dünndarmzotten und die Mikrovilli fast zur Gänze zurückgebildet, wobei die Dünndarmschleimhaut beschädigt ist. Durch die Abflachung der Dünndarmschleimhaut können weniger oder keine Nährstoffe (Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralsalze) aufgenommen werden. Die Folgen sind Unterernährung und Mangelerscheinungen. Die Zöliakie bzw. die Glutenunverträglichkeit ist eine der weltweit meistverbreiteten Unverträglichkeiten. In den Ländern, deren Urbevölkerung aus Europa stammt (Europa, Nord- und Südamerika, Australien), wird geschätzt, dass jede hundertste Person Zöliakie hat. Ein ähnlicher Prozentsatz gilt auch für Entwicklungsländer in Nordafrika, im Mittleren Osten und in Indien, wo sich die Bevölkerung vorwiegend von Getreide ernährt.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Eiweiß, das in einigen Getreidesorten wie Weizen, Hafer, Gerste, Dinkel (Spelt), Roggen, Kamut und Triticale enthalten ist. Gluten besitzt einen äußerst geringen Nährwert. Es dient hauptsächlich als Kleber, der Weizenmehl zusammenhält und so z. B. das Brotbacken ermöglicht bzw. erleichtert.

Wie entsteht Zöliakie?

Zöliakie ist eine komplexe Pathologie, die durch das Zusammenspiel verschiedener genetischer und exogener Faktoren verursacht wird.

Genetische Faktoren
Dass auch genetische Faktoren mitspielen, wird dadurch bestätigt, dass bei Verwandten ersten Grades eine zehnfach höhere Zöliakierate beobachtet wird im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung. Die zahlreichen Gene, die die erbliche Veranlagung steuern, sind jedoch noch nicht alle erforscht. Wichtig unter diesen sind einige Faktoren des HLA-Systems, einem Genkomplex, dessen Aufgabe es ist, körperfremde Moleküle zu erkennen. Bei den meisten Zöliakiebetroffenen (mindestens 95 %) werden die so genannten Genotypen HLA-DQ2 bzw. DQ8 festgestellt. Die HLA-DQ2/DQ8 sind zwar notwendig, damit sich die Krankheit entwickeln kann, doch sind sie nicht alleine dafür verantwortlich. Denn dieselben genetischen Faktoren wurden auch bei einer großen Anzahl von gesunden Menschen (20-30 % der allgemeinen Bevölkerung) beobachtet.

Exogener Faktor
Der einzige bisher bekannte exogene Faktor der bei Zöliakie eine Rolle spielt, ist die Präsenz von Gluten in der täglichen Ernährung des modernen Menschen.

Welche Symptome treten auf?

Verschiedene Symptome können auf Zöliakie hindeuten.

Typische Symptome von Zöliakie sind Durchfall, Gewichts- und Kraftverlust, aufgeblähter Bauch, Bauchschmerzen, Übelkeit und bei Kindern Wachstumsstörungen. In einigen Fällen manifestieren sich die Symp tome außerhalb des Darmbereichs, zum Beispiel durch Anämie (Blutarmut), Osteoporose (Knochenbrüchigkeit), Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation), Vitamin- oder Mineralsalzmangel. Auch andere immunologische Erkrankungen wie z. B. Diabetes Typ 1 und Schilddrüsenentzündung können auf eine Zöliakie hindeuten. Die Symptome sind so vielfältig, dass man Zöliakie in verschiedene klinische Formen einteilt, die bei der Diagnose in Betracht zu ziehen sind. Bei der typischen, symptomatischen Form der Zöliakie, treten gastrointestinale Beschwerden auf (heute eher selten). Häufiger hingegen sind die atypischen Formen mit unscheinbaren Symptomen und Beschwerden, wie z. B. ein Reizdarmsyndrom oder Eisenmangel. Bei der silenten Form hingegen zeigen sich keine besonderen Symptome; sie wird häufig bei Personen mit erhöhtem Risiko diagnostiziert, z. B. bei Familienmitgliedern des Zöliakiebetroffenen oder Diabetikern, infolge von serologischen Screenings. In diesen Fällen sind die Symptome nur scheinbar versteckt, in Wirklichkeit wird nach Beginn der glutenfreien Ernährung eine Besserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit beobachtet. Bei einigen Patienten wiederum treten Symptome außerhalb des Darmbereich es auf, wie z. B. Dermatitis Herpetiformis Duhring, Stomatitis aphtosa, Diabetes Typ I, Osteoporose, Fertilitätsstörungen, Thyroiditis, Allergien, Intoleranzen und einige neurologische Pathologien die mit Zöliakie in Zusammenhang gebracht werden können. In ganz seltenen Fällen kann sich Zöliakie durch ein Darmgeschwür oder Darmlymphom bemerkbar machen.

Welche klinischen Formen der Zöliakie gibt es?

Kurze Beschreibung der klinischen Formen der Zöliakie.

Typische, symptomatische Zöliakie
Die typische Zöliakie entwickelt sich schon frühzeitig, im Allgemeinen einige Monate nach dem Abstillen, und zeigt die typischen Malabsorptionssymptome der Zöliakie: chronischer Durchfall, Wachstumsstörung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und aufgeblähter Bauch.

Atypische Zöliakie
Die atypische Zöliakie tritt hingegen erst später mit Symptomen außerhalb des Darmbereichs auf wie z. B. Anämie durch Eisenmangel, Zunahme der hepatischen Transaminasen, wiederkehrende Bauchschmerzen, Hypoplasie des Zahnschmelzes, Dermatitis Herpetiformis Duhring und Wachstums störung im Schulalter.

Silente Zöliakie
Die silente Zöliakie wird bei asymptomatischen Menschen im Rahmen einer serologischen Untersuchung zufällig, durch die Präsenz von positiven Antikörpern, diagnostiziert. In vielen Fällen sind die Symptome nur scheinbar versteckt, in Wirklichkeit wird nach Beginn der glutenfreien Ernährung eine Besserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit beobachtet.

Potentielle oder latente Zöliakie
Als potentielle oder latente Zöliakie werden jene Fälle bezeichnet, bei denen positive serologische Marker festgestellt werden, die Darmbiopsie jedoch unauffällig ist. Bei Menschen die diese Form der Zöliakie aufweisen, können sich im Dünndarm manifeste Schäden entwickeln, wenn sie sich nicht glutenfrei ernähren. Häufig wird auch bei Menschen, die unter einer Autoimmunerkrankung, insbesondere Diabetes Typ 1 und Thyroiditis, bzw. an Syndromen wie Down-, Turner- und Williams- Syndrom oder einem IgA Mangel leiden, Zöliakie diagnostiziert.

Was tun bei Verdacht auf Zöliakie?

Bei Symptomen, die auf Zöliakie hinweisen, ist es meist ausreichend, eine serologische Untersuchung durchzuführen, um eine erste Diagnose stellen zu können. Die definitive Diagnose kann nur durch eine Dünndarmbiopsie gestellt werden. Bei der Biopsie werden Gewebefragmente entnommen und histologisch untersucht, um die eventuelle Zottenatrophie festzustellen.

Serologische Untersuchungen
Serologische Untersuchungen können den Verdacht auf Zöliakie erhärten. Dabei werden in erster Linie die Antitransglutaminase-Antikörper (anti tTG) der Klasse IgA untersucht. Hierbei handelt es sich um einen äußerst zuverlässigen und routinemäßig durchgeführten Bluttest. Ebenso aussagekräftig, aber weniger angewendet, ist die Bestimmung der Anti-Endomysium-Antikörper (EMA). Die Antigliadin-Antikörper (AGA) der Klasse IgA und IgG sind besonders bei Kindern unter 3 Jahren die aussagekräftigsten, da sie ein eindeutigeres Ergebnis liefern als die anderen Antikörper. Die isolierte Veränderung der AGA-IgG ist für die Diagnose allein nicht ausschlaggebend, außer bei Kindern mit einem IgA Mangel.

Die Dünndarmbiopsie
Bei positiven serologischen Ergebnissen wird eine Dünndarmbiopsie empfohlen, die durch eine Gastroskopie durchgeführt wird. Wenn sowohl positive serologische Befunde als auch typische Veränderungen im Dünndarmbereich (Zottenatrophie, Zunahme der intraepithelialen Lymphozyten) festgestellt werden, kann die Diagnose Zöliakie definitiv bestätigt werden.

Belastungstest
Einige Gastroenterologen empfehlen in Zweifelsfällen (also wenn eine Zöliakie nicht eindeutig diagnostiziert werden konnte) nach zwei Jahren glutenfreier Ernährung Gluten für kurze Zeit wieder in die Ernährung einzuführen. Die Diagnose wird dann bestätigt, wenn die erneute Aufnahme von Gluten innerhalb einiger Monate (in seltenen Fällen nach Jahren) einen klinischen und bioptischen Rückfall verursacht. Die Glutenbelastung muss unter strengster ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Zöliakie und Diabetes?

Dieselben Ursachen. Eine ausgewogene Ernährung als Lösung für beide.
Fünf bis zehn Prozent der Personen mit Typ-I-Diabetes (insulinabhängiger Diabetes) haben auch Zöliakie. Um beide Krankheiten zu behandeln, muss eine strenge, aber nicht völlig einschränkende Ernährung befolgt werden. Diabetikern, ganz egal ob mit oder ohne Zöliakie, empfiehlt man heute eine „normale“ ausgewogene Ernährung in Hinblick auf Gesamtkalorien, Eiweiß, Zucker und Fett. Um einen überhöhten Blutzuckerspiegel nach dem Essen zu vermeiden, sind komplexe Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, natürlich glutenfrei) und ballaststoffreiche Lebensmittel (Gemüse, Hülsenfrüchte und frisches Obst) besser als solche mit hohem Gehalt an Einfachzucker (Süßigkeiten, Zucker). Lebensmittel mit hohem Gehalt an Einfachzuckern sollten nur in Maßen genossen werden. Bei den Fetten sind jene pflanzlichen Ursprungs (z. B. kaltgepresstes Olivenöl, Samenöl) und Lebensmittel mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. Fisch) besser, da sie den Cholesterinspiegel im Blut positiv beeinflussen. Die Behandlung der Zöliakie hat auch positive Auswirkungen auf den Diabetes, da der Stoffwechsel besser kontrolliert wird und eventuell auch der Insulinbedarf gesenkt werden kann. Außerdem können dadurch mögliche versteckte Komplikationen vermieden werden, wie Blutarmut oder Knochenbrüchigkeit.

Zöliakie und Laktoseintoleranz?

Laktoseintoleranz und Zöliakie treten oft gemeinsam auf, haben aber unterschiedliche Ursachen.
Vor der Diagnose und auch die erste Zeit nach der Diagnose kann bei Zöliakiebetroffenen auch eine Laktoseintoleranz auftreten, die durch die Schädigung der Dünndarmschleimhaut ausgelöst wird. In manchen Fällen kann die Unverträglichkeit gegenüber Laktose aber nach Beginn der glutenfreien Ernährung und Normalisierung der Dünndarmschleimhaut immer noch vorhanden sein. Dies ist auf einen genetischen Enzymmangel zurückzuführen, der generell bei der südeuropäischen Bevölkerung äußerst häufig auftritt, nicht jedoch durch Zöliakie ausgelöst wird. In diesen Fällen kann die Aufnahme von laktosehaltigen Lebensmitteln (insbesondere Milch) zu anhaltenden Symptomen wie Bauchschmerzen und Blähungen führen. Zur Behandlung der Laktoseintoleranz müssen Lebensmittel mit hohem Laktosegehalt (Vollmilch, aus Milch hergestelltes Eis, Frischkäse) vermieden werden. Statt Vollmilch kann laktosearme Milch verwendet werden, die in allen Supermärkten erhältlich ist. Da die meisten Betroffenen gewisse Laktosemengen vertragen, sind Milchprodukte wie Yoghurt und Hartkäse meist unbedenklich.

Wie wird Zöliakie behandelt?

Wer sich streng glutenfrei ernährt, kann beschwerdefrei leben.

Eine strenge glutenfreie Ernährung ist derzeit die einzige Therapie, die dem Zöliakiebetroffenen eine optimale Gesundheit gewährleistet. Die Symptome verschwinden, die bei serologischen Untersuchungen festgestellten Werte und die Dünndarmschleimhaut normalisieren sich.
Die einzige Lösung bei Zöliakie besteht darin, auf alle Lebensmittel zu verzichten, die aus glutenhaltigen Getreidesorten hergestellt werden. Auch geringste Glutenmengen können histologische Schäden verursachen. Spuren von Gluten können in den verschiedensten Lebensmitteln enthalten sein, beim Einkaufen ist deshalb besondere Vorsicht geboten.
Erleichtert wird die Umstellung auf glutenfreie Ernährung durch die vielen verschiedenen, für Zöliakiebetroffene geeigneten Produkte (Brot, Teigwaren, Kuchen, Pizzaböden, Mehl, Kekse, Süßwaren). Diese speziellen Produkte sind durch das Symbol der „durchgestrichenen Ähre“ gekennzeichnet. Dieses Symbol garantiert, dass das Produkt glutenfrei ist. Als zusätzliche Unterstützung bei der täglichen Ernährung stehen die von Zöliakiegesellschaften erstellten Lebensmittellisten zur Verfügung. Diese sind bei der jeweiligen Landesvereinigung für Zöliakie erhältlich.

Welche positiven Auswirkungen hat die glutenfreie Ernährung?

Die Symptome verschwinden

Die Symptome verschwinden, die bei serologischen Untersuchungen festgestellten Werte und die Dünndarmschleimhaut normalisieren sich. Bei Zöliakiebetroffenen mit den typischen Symptomen werden die Auswirkungen der glutenfreien Ernährung sofort sichtbar: In nur wenigen Tagen stellt sich eine Besserung des Appetits und des allgemeinen Wohlbefindens ein, die Diarrhoe verschwindet, das Wachstum bei Kindern normalisiert sich. Auch etwaige Mangelerscheinungen wie verminderte Knochenmineralisierung oder Anämie durch Eisenmangel, klingen allmählich ab. Eine glutenfreie Ernährung, besonders wenn von der Diagnose an damit begonnen wird, mindert das Risiko langfristiger Gesundheitsprobleme. Mit der Zöliakie einhergehende Autoimmunerkrankungen können jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Dazu zählt z. B. die Hashimoto- Thyroiditis, die vor allem bei Mädchen in der Pubertät auftritt.

Vorteile der glutenfreien Ernährung:

  • Dünndarmschleimhaut normalisiert sich
  • Nährstoffe werden vom Körper aufgenommen und verwertet
  • Gewichtsverlust wird ausgeglichen
  • Allgemeines Wohlbefinden bessert sich

Wie sieht eine ausgewogene Ernährung aus?

Die glutenfreie Ernährung kann gesund, schmackhaft und ausgewogen sein.

Um gesund und fit zu bleiben, sollte man von allem etwas essen, viel Wasser trinken und mit Salz sparsam umgehen. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig. Eine gesunde tägliche Ernährung kann anhand einer Pyramide dargestellt werden. Sie besteht aus verschiedenen Abschnitten, wobei jeder Abschnitt eine Gruppe von Lebensmitteln umfasst. Lebensmittel der unteren Pyramidenebene (Gemüse und Obst) sollten in größeren Mengen, solche der oberen Ebene (Fette) in kleineren Mengen konsumiert werden.

Wie ernähre ich mich gesund und ausgewogen?

Obst und Gemüse: 5 Mal am Tag
Obst und Gemüse enthalten Ballaststoffe, Vitamine, Mineralsalze, Spurenelemente und Antioxidantien. Pro Tag sollten Sie 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst essen (1 Portion = mindestens 120g = 1 Hand voll)

Getreideprodukte: zu jeder Hauptmahlzeit
Getreideprodukte wie glutenfreies Brot und glutenfreie Nudeln, Kartoffeln und Reis, enthalten viele Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Sie liefern Energie, die der Körper leicht verwenden kann. Zu jeder Hauptmahlzeit sollte ein Lebensmittel dieser Gruppe gegessen werden, also 3 Portionen täglich. Eine Portion = ca. 80-100g glutenfreies Brot, ca. 200g Kartoffeln, ca. 100g glutenfreie Nudeln.

Milch und Milchprodukte: Täglich

Milch und Milchprodukte wie Yoghurt, Quark und Käse enthalten Eiweiß, Fett, Kalzium und Vitamine. Essen Sie 2 Portionen zu je ca. 120g davon, wenn möglich mit reduziertem Fettgehalt.

Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte: Täglich genügend.
Fleisch, Fisch und Eier enthalten Eiweiß, Fett, Mineralstoffe und Vitamin B. Auch Hülsenfrüchte wie z. B. Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen zählen wir zu dieser Gruppe, da sie neben Kohlenhydraten auch sehr viel Eiweiß enthalten. Essen Sie pro Tag abwechslungsweise 1 Portion Fleisch oder Fisch (ca. 100-120g) oder als Alternative 2 mal pro Woche Hülsenfrüchte (ca. 60g). Am gesündesten sind mageres Rindfleisch, Geflügel und Fisch. Eier sollten max. 2 Mal pro Woche gegessen werden.

Fette und Öle: Täglich mit Maß.
Fette und Öle enthalten essentielle Fettsäuren und fettlösliche Vitamine (A,D,E,K). Am gesündesten sind pflanzliche Fette, wie kaltgepresstes Olivenöl und Kernöle. Essen Sie pro Tag max. 3 Portionen zu je 10g. Tierische Fette (z.B. Butter) sollten in Maßen genossen werden.

Tipps für eine gesunde und ausgewogene Ernährung
Einige kleine Hinweise:

  • Täglich mindestens 1-2 Liter Wasser trinken. Am besten Mineralwasser, verdünnte Fruchtoder Gemüsesäfte, ungezuckerten Kräuter- und Früchtetee
  • Speisen schonend und ohne Fett zubereiten (gebraten, gedünstet, gedämpft)
  • Langsam essen, gut kauen und das Essen genießen
  • Mehr frische Kräuter und Gewürze statt Salz verwenden
  • Alkohol in Maßen genießen
  • Süßigkeiten, salzige Knabbereien und gezuckerte Getränke in Maßen genießen und mit Zucker sparsam umgehen
  • Bei der Zubereitung nur glutenfreie Zutaten verwenden
  • Kontamination mit glutenhaltigen Lebensmittel vermeiden
  • Regelmäßig Sport betreiben

Wie sieht die erste glutenfreie Woche aus?

Diese Menüvorschläge erleichtern den Einstieg in die glutenfreie Ernährung. Die Gerichte sind einfach zuzubereiten und können als Grundlage für weitere Speisen ganz nach Belieben, eigenem Geschmack und Gewohnheiten verwendet werden. Es gibt außerdem zahlreiche Rezeptbücher für glutenfreie Gerichte. Lassen Sie Ihrer Phantasie in der Küche freien Lauf!

Wie erkenne ich glutenfreie Lebensmittel?

Die so genannten „riskanten“ Lebensmittel zu erkennen wird durch die neue EU-Richtlinie zur Lebensmittel kenn zeichnung erleichtert. Der zufolge müssen Lebensmittelhersteller anführen, wenn Gluten, selbst in geringen Spuren, enthalten ist. Bewusst oder unbewusst Gluten mit der Nahrung aufzunehmen führt häufig zu keinen nennenswerten Beschwerden, doch langfristig kann es zu erneuten Schädigungen der Darmschleimhaut führen. Es ist daher wichtig, bei der Auswahl der Lebensmittel und beim Essen immer Vorsicht zu üben, ohne jedoch beim Gedanken an Gluten in Panik zu geraten oder sich psychologisch traumatisiert zu fühlen – diese Verhaltensweisen sind gänzlich ungerechtfertigt.

Unbedenkliche Lebensmittel
Es gibt viele Produkte, die von Natur aus glutenfrei und unbedenklich sind: Reis, Mais, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Buchweizen, Tapioka, Kastanien, Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, pflanzliche Öle, Obst und Gemüse. Es gibt außerdem zahlreiche speziell für Zöliakiebetroffene hergestellte Produkte (Brot, Teigwaren, Kuchen, Pizzaböden, Mehl, Kekse, Süßwaren). Diese speziellen Produkte sind durch das Symbol der „durchgestrichenen Ähre“ gekennzeichnet. Dieses Symbol garantiert, dass das Produkt glutenfrei ist.

Riskante Lebensmittel
Riskant sind jene Lebensmittel, die Gluten oder Weizen als Zutat oder Zusatzstoff enthalten können. Zum Beispiel Fertiggerichte, Würste, Sojasoßen, Eis. Bei diesen Lebensmitteln ist es besonders wichtig die Zutatenangaben auf den Verpackungen genau zu lesen. Riskant sind auch jene Lebensmitteln die möglicherweise während der Herstellung mit Gluten kontaminiert worden sind.

Verbotene Lebensmittel
Verboten sind alle Lebensmittel, die Weizen, Dinkel (Spelt), Kamut, Triticale, Gerste und Roggen enthalten. Hafer ist ebenso zu vermeiden, da er häufig mit Gluten kontaminiert ist.

Worauf muss ich in der Küche achten?

Glutenfreie Speisen sicher zubereiten.

  • Verwenden Sie ausschließlich Zutaten, die auch sicher glutenfrei sind. Als Hilfe dienen die Lebensmittellisten der Zöliakiegesellschaften.
  • Speisen nicht mit bemehlten Händen oder ungereinigten Küchengeräten (Schüsseln, Rührlöffel, Sieb, Töpfe usw.), die mit glutenhaltigen Speisen in Kontakt waren, berühren.
  • Speisen nur auf saubere Oberflächen geben -wie Arbeitsfläche, Backblech, Backformen und Grill. Wichtig: Erst nach dem Reinigen mit dem Kochen beginnen.
  • Kein Öl verwenden, das bereits für das Frittieren von gluten haltigen, panierten Speisen verwendet wurde.
  • Kein Wasser verwenden, das bereits für das Kochen von glutenhaltigen Nudeln verwendet wurde.
  • Bei Oberflächen, die kontaminiert sein könnten, Backpapier oder Alufolie als Unterlage verwenden.

Worauf muss ich bei der glutenfreien Ernährung noch achten?

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig.

Die glutenfreie Ernährung, die nunmehr seit über 50 Jahren die Behandlung der Zöliakie ist, gilt als vollwertige Ernährung für alle Alterstufen und auch in besonderen Situationen (z. B. Schwangerschaft, Diabetes). Der Verzicht auf Lebensmittel, die aus Weizen und anderen glutenhaltigen Getreidesorten hergestellt werden, kann sich in einer geringeren Ballaststoffzufuhr niederschlagen. Werden in die tägliche Ernährung frisches Obst und Gemüse eingebaut, kann dieser Mangel ausgeglichen werden. Wichtig ist auch die Aufnahme von Vitaminen, insbesondere des B-Komplexes, und von Kalzium in ausreichenden Mengen.

Ist glutenfreie Ernährung die einzige Therapie bei Zöliakie?

Alternative Behandlungsmethoden werden erforscht.

Ziel ist, dass der Patient sich vom „Druck“ der glutenfreien Ernährung befreien kann. Untersucht werden zum Beispiel weniger schadhafte Getreidearten, Enzyme, die die für Zöliakiebetroffene unverträglichen Proteinbausteine metabolisieren können, Medikamente mit Anti-Transglutaminase- Wirkung, oder Antizytokine und Immunmodulatoren, die die Abwehrreaktion gegen das Gluten stoppen (die so genannte „Impfung“). Zurzeit stecken die Forschungen über die Wirksamkeit dieser Verfahren noch in den Kinderschuhen. Der Schritt vom Labor zu klinischen Tests wird auch dadurch gebremst, weil es bei Tieren Zöliakie nicht gibt. Die Zukunft sieht für Zöliakiebetroffene sicherlich gut aus; man kann aber kaum abschätzen, wann die Ergebnisse dieser Forschungen umgesetzt werden können. Wichtig ist auch die Tatsache, dass sich jede neue Behandlung gegen die bereits bestehende, sichere, wirksame und bereits verfügbare Lösung – die glutenfreie Ernährung – behaupten muss.

Wann sind Folgeuntersuchungen notwendig?

Nach 1-2 Jahren glutenfreier Ernährung sind keine weiteren invasiven Untersuchungen not wendig.

Wenn keine Zweifel bei der Diagnose bestehen, erachten wir es als nicht sinnvoll, eine weitere Dünndarmbiopsie durchzuführen um festzustellen ob sich die Dünndarmschleimhaut normalisiert hat. Zu empfehlen sind jedoch regelmäßige fachärztliche Untersuchungen, zur Prüfung einiger Laborwerte, insbesondere:

  • Werte des Eisenhaushalts (Blutbild, Eisen, Ferritin). Ein anhaltender Eisenmangel kann durch orale Eisenpräparate ausgeglichen werden.
  • Anti-tTG-Antikörper (falls positiv wurde die glutenfreie Ernährung nicht streng genug eingehalten).
  • Untersuchungen zur frühzeitigen Erkennung von vorhandenen oder möglichen Autoimmunerkrankungen (insbesondere Antithyroglobulin-Antikörper und Anti-Thyroperoxidase für die Diagnose der Thyroiditis)
Die Kontrolle der Osteoporose durch Knochendichtemessungen ist vor allem bei weiblichen Betroffenen angezeigt, bei denen die Diagnose erst spät gestellt wurde. Betroffene, bei denen im Rahmen von Kontrollvisiten eine auffällige Gewichtszunahme festgestellt wird, werden metabolische Untersuchungen ersten Grades (Gesamtcholesterin, HDLCholesterin, Triglyceride, Glucose) empfohlen. Bei nahen Verwandten des Zöliakiebetroffenen (Kinder, Geschwister, Eltern) ist die Prädisposition zur Zöliakie höher (ca. 10 %) als bei der Bevölkerung im Allgemeinen. Es wird daher empfohlen, selbst bei scheinbar beschwerdefreiem Gesundheitszustand auch sie mittels serologischer Analysen, wie Anti-tTG-Antikörper und ggf. die genetische Analyse bzgl. HLA-DQ2/DQ8-Genotyp untersuchen zu lassen.

Leben mit Zöliakie, ein Problem?

Die schwierigste Hürde ist die Diagnose.

Man sagt, dass die Zöliakie nach der Diagnose nicht mehr eine Krankheit, sondern eine Lebenseinstellung darstellt. Denn nach Beginn der entsprechenden Behandlung bessert sich das allgemeine Wohlbefinden sehr rasch; man muss aber lernen, nach neuen Regeln zu leben, die eben durch die Ernährungsumstellung vorgegeben werden. Die zahlreichen glutenfreien Produkte, die von verschiedenen Lebensmittelherstellern entwickelt wurden, haben ganz entscheidend dazu beigetragen, die Lebensqualität von Zöliakiebetroffenen zu steigern. Glutenfreie Lebensmittel sind fast überall erhältlich, auch in Supermärkten, als Fertigprodukt oder zum selber Kochen und Backen. Die Einschränkungen bei der Ernährung machen sich erst beim Essen in Restaurants, Cafes oder Kantinen bemerkbar, denn dort ist das Angebot an glutenfreien Produkten noch beschränkt. Doch auch in diesem Bereich wird die Situation von Jahr zu Jahr besser, auch dank des Einsatzes der Zöliakievereinigungen sowie aufgrund des steigenden Bewusstseins vonseiten der Institutionen und Medien.

In der Schule
Viele Schulen sind in der Lage, Kindern sichere glutenfreie Speisen zu garantieren; dennoch ist es wichtig, dass sich die Eltern selbst vergewissern, ob die Lehrer und das Küchenpersonal über das Problem Bescheid wissen. Durch das große Angebot an glutenfreien süßen und salzigen Snacks können auch besondere Situationen wie Schulausflüge oder Geburtstagspartys problemlos bewältigt werden.

Jugend
„Ausnahmen“ bei der glutenfreien Ernährung sind vor allem bei Jugendlichen häufig. Denn viele können die Tatsache, dass sie etwas anderes essen als alle anderen, nicht akzeptieren oder wollen das nicht offen zeigen. Das Ausbleiben von unmittelbaren Symptomen kann leicht zu weiteren gelegentlichen Ausnahmen verleiten. Was ist in solchen Fällen zu tun? Schuldzuweisungen oder – noch schlimmer – Drohungen sind sicherlich fehl am Platz. Man soll die Jugendlichen hingegen richtig aufklären. In besonderen Fällen, zum Beispiel dann, wenn zwischen dem jungen Zöliakiebetroffenen und den Eltern keine gute Beziehung besteht, kann auch ein Psychologe zurate gezogen werden. Die Probleme in der Jugendzeit sind meist vorübergehend und schließen nicht die Möglichkeit aus, dass sich mit der Zeit ein „normales“ Leben mit Zöliakie entwickeln kann.

Wird man mit Zöliakie geboren oder kann man Sie auch entwickeln?

Beide Antworten sind in diesem Falle richtig. Denn nur wer die genetische Veranlagung besitzt, entwickelt auch die Glutenunverträglichkeit. Allerdings erst dann, wenn man Gluten mit der Nahrung aufnimmt und damit die Dünndarmschleimhaut geschädigt wird.

Kann durch eine spätere Einführung glutenhaltiger Nahrungsmittel die Zöliakiegefahr reduziert werden?

Es konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, dass die spätere Einführung glutenhaltiger Getreidesorten die Zöliakie beim Kleinkind verhindern kann. Im besten Falle können die Symptome verzögert werden, die erst auftreten, sobald Gluten mit der Nahrung aufgenommen wird.

Zöliakie in der Familie? Vererbbarkeit

Durch die Vererbung kann zumindest ein Teil des Immunsystems beeinflusst werden, wobei innerhalb der Familie die Weitervererbung von Zöliakie sehr häufig ist. Bei Verwandten ersten Grades (Eltern, Kinder, Geschwister) liegt die Häufigkeit des Auftretens bei 10 %, bei eineiigen Zwillingen bei mindestens 70%.

Kann Zöliakie geheilt werden?

Bislang ist keine Heilmethode bekannt, durch die ein Zöliakiebetroffener wieder glutenhaltige Nahrungsmittel essen kann, ohne Schäden an der Darmschleimhaut zu nehmen. Die einzige Lösung stellt eine glutenfreie Ernährung dar.

Glutenfreie Diät und Autismus?

Bei vielen Autismus-Betroffenen führt die schlechte Verdauung des Kaseins (Milchprotein) und des Glutens zur Bildung von zwei Oppiaten (rauschgiftähnliche Substanzen wie Heroin oder Morphin), die in den Blutkreislauf gelangen und das Nervensystem angreifen. Diese Oppiate lassen sich durch besondere Urinuntersuchungen nachweisen. Auch wenn bisher noch wenige Fälle untersucht worden sind, kann man feststellen, dass die Untersuchung in circa zwei Drittel der Fälle positive Ergebnisse liefert, weshalb dann in einigen Fällen auch eine milch- und glutenfreie Diät verordnet wird.

Dermatitis Herpetiformis

D.H., auch bekannt als "Duhring-Krankheit", ist eine besondere Variante der Zöliakie, die ebenso nur durch eine strikt glutenfreie Ernährung geheilt werden kann. Erkennbar ist sie an den roten Pusteln und Blasen, die vermehrt an Ellebogen, Knien, Gesäß, Nacken, Hals, Schultern sowie im unteren Rückenbereich auftreten. Der Ausschlag gleicht dem des Herpes. Gleichzeitig reagiert der Körper wie bei der Zöliakie im Darmbereich auf das Gluten in der Ernährung.

Getreideallergie

Zwischen der Getreideallergie und der Glutenunverträglichkeit gibt es keinen Zusammenhang. Auch wenn die primäre Ursache beider Krankheiten im Getreideeiweiß liegt, sind die von der Unverträglichkeit ausgelösten Mechanismen grundverschieden.

Kann ich ab und zu Ausnahmen bei der glutenfreien Diät machen?

Auf keinen Fall: Auch wenn keine sichtbaren Symptome vorliegen, würden bei Wiedereinführung glutenhaltiger Nahrungsmittel die Schäden an der Darmschleimhaut und anderen Organen wieder auftreten. Und es würden mehr oder weniger dieselben Probleme wie am Anfang der Zöliakie in Erscheinung treten.

Kann eine glutenfreie Diät zu einem Nährstoffmangel führen?

Nein, weil eine ausgewogene glutenfreie Diät alle wichtigen Nährstoffe enthält, die der menschliche Körper benötigt. In manchen Fällen ist ein Mangel an pflanzlichen Ballaststoffen festzustellen; da sollte die Kost durch Zugabe von mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten angereichert werden.