Dr. Schär
 

Glutenfrei an der Weltspitze

Andrea Henkel hat eine Glutenunverträglichkeit. Die mehrfache Biathlon-Weltmeisterin Andrea Henkel erzählt über ihre Leidenschaft fürs Kochen, ihr Vertrauen in die glutenfreie Versorgung außer Haus und natürlich ihre großen Ziele für die Heim-Weltmeisterschaft in der kommenden Saison.

YourLife: In welchem Alter wurden Sie mit der Diagnose Zöliakie konfrontiert? Wie hat sich bei Ihnen der Verdacht auf Glutenunverträglichkeit geäußert?


Andrea Henkel: Bei mir wurde vor knapp einem Jahr (mit 32 Jahren) eine Glutenunverträglichkeit festgestellt. Bis dahin hatte ich immer wieder Probleme mit der Verdauung. Ich habe immer auf meine Ernährung geachtet, habe aber dabei auch zu den für mich eigentlich ungesunden „normalen“ Vollkornprodukten gegriffen. Ich spürte, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein konnte, bin aber auch nicht ein Mensch, der die ganze Zeit darüber nachdenkt, welches Problem wohl bestehen könnte. Deswegen habe ich sozusagen gelernt, damit zu leben. Sehr unglücklich war ich allerdings, wenn mir der Blähbauch besonders zu schaffen gemacht hat.

YourLife: Wie haben Sie die Tatsache aufgefasst, sich auf ein Leben ohne Gluten einstellen zu müssen?

Henkel:
Zuerst habe ich mich gefreut, dass endlich etwas gefunden wurde. Ich habe mich sofort mit der Materie beschäftigt und mich auf meine neue Ernährung eingestellt. Ich fand es nicht schlimm, dass ich verschiedene Sachen nicht mehr essen kann, vor allem, weil es genügend Produkte auf dem Markt gibt, die glutenhaltige Speisen ersetzen.

YourLife: Wie beurteilen Sie Ihre Ernährungsumstellung aus heutiger Sicht?

Henkel:
Bei mir hat es eine Weile gedauert, bis ich mich wirklich besser fühlte. Aber dadurch, dass ich mich gründlich informiert hatte, wusste ich, dass sich eine Besserung sehr schnell oder auch mit großer Verzögerung einstellen kann. Deswegen blieb ich eisern am Ball, was sich gelohnt hat. Ich fühle mich besser, bin viel ausgeglichener und weniger hippelig. Das kommt mir vor allem in meinen Regenerationsphasen zugute und ist sehr wichtig, wenn man auch im neunten Rennen innerhalb von drei Wochen noch vorne dabei sein möchte oder alle sechs Rennen während einer Weltmeisterschaft laufen möchte.

YourLife: Wie hat Ihr Umfeld, also zum Beispiel Ihre Familie, auf die Veränderung reagiert?

Henkel:
Durch meine Recherche erkannte ich viele Symptome der Glutenunverträglichkeit bzw. Zöliakie bei meinem Vater, der bereits Darmoperationen hinter sich hatte. Das erzählte ich natürlich meinen Eltern, die nun auch einen glutenfreien Speiseplan haben. Mein Vater bemerkte sehr schnell eine positive Veränderung. Die meisten in meinem Umfeld bewunderten vor allem meine Konsequenz. Meine Freunde nehmen alle sehr viel Rücksicht und sogar mein Lieblingsitaliener hat sich auf meine „Sorgen“ eingestellt.

YourLife: Als Hochleistungssportlerin müssen Sie stets top in Form sein. Wie vermeiden Sie Diätfehler?


Henkel: Wenn ich am Stützpunkt Oberhof trainierte, aß ich immer in der Bundeswehr-Kantine der Sportfördergruppe zu Mittag. Nach meiner Diagnose fing ich an, viel öfter selbst zu kochen. Die Küche der Sportfördergruppe würde auch gerne für mich kochen, was ich sehr aufmerksam und nett finde. Allerdings habe ich sehr viel Spaß am Backen, am Kochen und Ausprobieren verschiedener Gerichte gefunden, so dass ich das nicht missen möchte . Außerdem weiss ich so was drin ist, bzw. was nicht drin ist. Wenn ich auswärts esse, passe ich ebenfalls gut auf, was ich bestelle und frage im Zweifelsfall nach, ob es glutenfreie Varianten gibt. Dann findet sich immer eine Möglichkeit.

YourLife: Als Profibiathletin sind Sie ständig unterwegs. Wie gestaltet sich Ihr glutenfreies Leben außerhalb der eigenen vier Wände?

Henkel: Auf Reisen bin ich immer bestens vorbereitet, indem ich zum einen den Hotels Bescheid gebe und zum anderen selbst verschiedene Produkte dabei habe. In Russland hatte ich sogar eine Kochplatte im Gepäck – alles nur eine Frage der Organisation. Den Hotelrestaurants vertraue ich, ansonsten würde ich mich selber nur irre machen. Außerdem möchten die Hotels ja nicht, dass ihre Gäste unzufrieden sind. Selbst bei Flugreisen kann man bei der Reservierung glutenfreies Essen bestellen, das klappt bestens.

YourLife: Welche Art von Unterstützung erfahren Sie im Team?

Henkel: Unser Physiotherapeut hat manchmal sehr leckere Rezeptideen für mich, unterwegs sind wir aber auf die Hotelküche angewiesen. Müssen wir uns aber auf ein Gericht einigen, nehmen alle Rücksicht auf die verschiedenen Unverträglichkeiten innerhalb der Mannschaft.

YourLife: Sie sind mehrfache Biathlon-Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Gesamtweltcupsiegerin. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus und welches sind Ihre nächsten großen Ziele?


Henkel: Im Februar beginnen die Weltmeisterschaften in Ruhpolding - im eigenen Land! Diese Wettkämpfe sind das große Ziel der kommenden Saison. Natürlich möchte ich auch gute Platzierungen in den Weltcuprennen erreichen, aber bei der Heim-WM will ich nicht medaillenlos bleiben. Wie meine Zukunft nach der Saison 2011/2012 aussieht, weiß ich noch nicht. Sobald ich es selbst weiß, werde ich es auch meine Fans wissen lassen.

YourLife: Mit Ihrem großen Erfolg stellen Sie unter Beweis, dass Zöliakie kein Hinderungsgrund ist, seine Ziele zu erreichen. Welche Botschaft möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern mit Zöliakie mit auf den Weg geben?

Henkel: Das Leben mit Zöliakie ist ein gutes Leben. Dank vieler glutenfreier Produkte muss man sich nicht im Geringsten eingeschränkt fühlen. Auf jeden Fall gibt es keinen Grund, betrübt zu sein, wenn einem das Vollkornbrot des Gegenübers bei Tisch doch mal etwas „anlacht“. Dieser Moment geht schneller vorüber als das schlechte Gefühl, das sich einstellt, wenn man es essen würde. Es gibt deutlich Schlimmeres als eine Glutenunverträglichkeit.

Wer ist Andrea Henkel?

„Das glutenfreie Leben ist ein gutes Leben“ befindet die mehrfache Biathlon-Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Gesamtweltcupsiegerin Andrea Henkel. Der Weg zur Spitzensportlerin schien für die am 10. Dezember 1977 geborene Biathletin vorgezeichnet zu sein. Aufgewachsen im Thüringer Wald, animierte sie ihre um drei Jahre ältere Schwester Manuela, selbst Olympiasiegerin im Langlauf, schon früh zum Skilanglaufen. Zunächst im Sportgymnasium in Oberhof und heute bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr erhielt sie stets die nötige Unterstützung, sich voll auf den Sport konzentrieren zu können. Anfangs vor allem eine hervorragende Schützin, gehört sie inzwischen auch zu den schnellsten in der Loipe und zählt bereits seit Jahren zu den weltbesten Biathletinnen! Für Hobbys bleibt der viel beschäftigen Sportlerin derzeit keine Zeit, abgesehen von der Leidenschaft zum Kochen!


Steckbrief:

Name Andrea Henkel
Geburtstag 10.12.1977
Größe / Gewicht 1,58 m / verschieden
Eltern Matthias und Elke
Schwester Langläuferin Manuela
Heimatort Großbreitenbach / Thüringen
Trainingsort Wenn ich nicht im Trainingslager oder zu Wettkämpfen bin, trainiere ich in Oberhof / Thüringen seit meinem 13.Lebensjahr
Verein Großbreitenbacher Skiverein
Schule 1.-7. Klasse Regelschule Großbreitenbach - 8.-12. Klasse Sportgymnasium Oberhof - Abitur 1996
Beruf Seit 1996 Sportsoldatin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr

Hier finden Sie weiteres Interessantes über Andrea Henkel und dem Skisport:

www.andrea-henkel.de
http://www.biathlonworld.com/de/andrea-henkel-blog.html
http://www.fis-ski.com/

Der Biathlon-Rennkalender 2011-2012

Das Wettkampfprogramm in Antholz

Donnerstag, 19. Jänner 2012
14.30 Uhr Sprint Frauen (7,5 km)

Freitag, 20. Jänner 2012
14.30 Uhr Sprint Männer (10 km)

Samstag, 21. Jänner 2012
12.30 Uhr Staffel Frauen (4x6 km)
15.15 Uhr Massenstart Männer (15 km)

Sonntag, 22. Jänner 2012
12.00 Uhr Massenstart Frauen (12,5 km)
14.30 Uhr Staffel Männer (4x7,5 km)

Der Biathlon-Rennkalender 2011/12

28.11.-04.12.2011 Oestersund (SWE)
07.12.-11.12.2011 Hochfilzen (AUT)
13.12.-18.12.2011 Annecy (FRAU)
02.01.-08.01.2012 Oberhof (GER)
09.01.-15.01.2012 Nove Mesto (CZE)
16.01.-22.01.2012 Antholz
01.02.-05.02.2012 Oslo Holmenkollen (NOR)
08.02.-12.02.2012 Kontiolahti (FIN)
13.03.-18.03.2012 Khanty Mansiysk (RUS)

IBU-Cup

25.11.-27.11.2011 Idre (SWE)
09.12.-11.12.2011 Ridnaun
16.12.-18.12.2011 Obertilliach (AUT)
06.01.-08.01.2012 Haute Maurienne (FRA)
13.01.-15.01.2012 Forni Avoltri (ITA)
10.02.-12.02.2012 Canmore (CAN)
14.02.-16.02.2012 Canmore (CAN
07.03.-11.03.2012 Altenberg (GER)

Weltmeisterschaft
29.02.-11.03.2012 Ruhpolding (GER)

Europameisterschaft
26.01.-04.02.2012 Brezno-Osrblie (SVK)

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